Corona-Krise

Aufwärts mit endogenem Wachstum

Von Karl-Heinz Möller · 2020

Nachdem das die Pandemie erzeugende Virus Covid-19 zwar nicht besiegt ist aber europaweit in die Defensive gelangt, fassen die Märkte langsam wieder Tritt. Wie schnell Europa und die Weltwirtschaft in die „Neue Realität“ zurückfinden, hängt zum großen Teil von der Umschaltgeschwindigkeit und Anpassungsflexibilität der Unternehmen und ihren Mitarbeitern ab. Folgt der Erholungsprozess dem Schwung eines V, also folge nach dem jähen Absturz der steile Anstieg, könnte wieder das alte Niveau, vielleicht sogar mehr, mittelfristig erreicht werden.

Nach oben steigender Pfeil vor Aktienkursen
Kurve nach oben mit Substanz steuern. Foto: iStock / Urupong

Für die Bewältigung der Corona-Pandemie und deren Folgen gibt es keine Blaupause. Bereits nach wenigen Wochen Shutdown treffen die wirtschaftlichen Konsequenzen Firmen hart wie nie. An den Börsen folgt der Crash. Lieferketten und Märkte brechen zusammen. Da wirkt es wie ein kleines Wunder, dass Aktienindizes wie der Dax oder S&P 500 fast wieder auf dem Stand sind wie vor dem Shutdown. Zeit nehmen für eine Analyse und Neuausrichtung! Das fünfzehnseitige Ergebnis mit der Überschrift „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ ist ein Vorstoß und Versuch der Regierung. Den Binnenmarkt zu stärken kann nicht falsch sein in Zeiten von Protektionismus und Nachfrageflaute.

EZB und Fed sorgen für Rückenwind

Auch die Zuversicht der Anleger wächst wieder, der Optimismus kehrt zurück, es wird investiert. Aber kann man der Erholung trauen – oder handelt es sich nur um eine Bärenmarktrallye? Der Vermögensverwalter und bankenunabhängige Berater Jens Ehrhardt begründet seinen Optimismus damit, dass mittel- bis langfristig eine Erholung wegen des massiven monetären Schubs hinter der Börse möglich wird. Die Bilanzsumme der US-Notenbank sei in kürzester Zeit um mehr als 50 Prozent erhöht worden. Das habe es noch nie gegeben. Mehr als zwei Billionen Dollar seien in den Markt geflossen. Einen solchen monetären Rückenwind habe er noch nicht erlebt.

Die Krise auszusitzen halten auch andere Insider für relevant. Wer angesichts dieser unsicheren Perspektive jetzt Aktien oder Fondsanteile verkaufe, begehe wahrscheinlich einen der typischen Anlegerfehler: Er verkauft bei stark sinkenden Kursen und steigt später erst dann wieder ein, wenn sich die Kurse bereits kräftig erholt haben. Wer vor einigen Monaten oder Jahren überzeugt war, dass eine breit gestreute Aktienanlage langfristig im Wert steigt, sollte diesen Glauben jetzt nicht aufgeben und seine festgelegte Anlagestrategie beibehalten. Die Börsenweisheit „Krisen aussitzen“ hilft allerdings wenig, wenn Geld eingeplant war für eine größere Investition. Wenn beispielsweise die Verträge für den Hauskauf bereit liegen. Dann greift die Regel, dass man Aktienvermögen nie auf einmal, sondern geplant in Raten verkaufen sollte. Den Immobilienkauf dann möglicherweise doch besser verschieben? Anleger, die Immobilien im Portfolio wissen, müssen sich weniger Sorgen machen. Nach wie vor stehen diese Investitionen im Scheinwerferlicht und glänzen je nach Art und Lage mit Rendite.

Corona-Krise: Weltunsicherheitsindex steigt um 300 Prozent

Im Spektrum der Unternehmen deckt die Corona-Krise Schwächen auf. Seit 2011 stagniert der Offenheitsgrad der Weltwirtschaft. Welthandel und globale Wirtschaftsleistung haben sich nicht positiv weiterentwickelt. Nach dem der Welthandel vor der Finanzkrise deutlich zunahm im Vergleich zur Wirtschaftsleistung, entwickeln sich beide aktuell gleich. Beweis ist der Weltunsicherheitsindex. Dieser analysiert die Kommunikation hinsichtlich Unsicherheiten in der Welt der Wirtschaft. Aufgrund der unsicheren Entwicklung schotteten sich Industrienationen ab, Produktionen wurden wieder nach Hause geholt, Roboter übernehmen zunehmend Aufgaben. In dieser Formation überraschte das Corona-Virus die Weltwirtschaft und der Index sprang auf 300 Prozent. Dank der zusätzlichen Geldschwemme erwarten die Ökonomen eine weitere Deglobalisierung. Lieferketten werden umgebaut, Produktionen gehen ins Heimatland, Roboter erobern parallel die Fabriken. Nobelpreisträger Paul Romer hofft auf endogenes Wachstum. Er räumt mit der Vorstellung auf, dass der technologische Wandel von außen kommt und sagt, dass gut ausgebildete und erfindungsreiche Menschen die Volkswirtschaft von innen vorantreiben und via technologischem Wandel Wohlstand schaffen. Es komme ganz darauf an, wie die europäischen Staaten in Form einer Union das durch das Virus entstandene Vakuum ausfüllen. Niemand hätte geglaubt, dass für die Bewältigung der Krise eine halbe Billion Euro für einen Neustart zusammenkommen. Das Coronavirus ist noch längst nicht besiegt, auch wenn die Infektionskurve in weiten Teilen Europas abflacht. Jederzeit könnte eine zweite Welle an Neuerkrankungen kommen, wenn zu große Menschenmengen aufeinandertreffen, warnen Virologen. Deshalb bleiben auch die hiesigen Unternehmen weiterhin im Krisenmodus, wie eine Umfrage der Consultants von PwC unter Finanzvorständen börsennotierter deutscher Unternehmen zeigt. Es gilt, an allen Rädchen zu drehen, um die Effizienz in den Unternehmen zu steigern. Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) sind demnach die wichtigsten Zukunftstrends. Auf der Agenda folgt die elektronische Bezahlung auf dem dritten Platz. Die Befragten – egal ob jung oder alt – wünschen sich, dass Unternehmen einfache und standardisierte Bezahlmethoden anbieten. Einig sind sich die Befragten, dass die digitale Revolution Jobs schafft. Mit neuen digitalen Mitteln ist ein hoher Anstieg in der Produktivität und Effizienz der Arbeitskräfte zu erwarten, jedoch steigen damit zugleich die Anforderungen an die Unternehmen. Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit verschwimmen.

Sparquote auf dem Höchststand

Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not, lautet eine alte Redensart. Offenkundig beherzigen viele Menschen diese Weisheit derzeit. Die sogenannte Sparquote ist in der Coronakrise deutlich angestiegen. Sie drückt aus, welchen Teil ihres verfügbaren Einkommens die privaten Haushalte zurücklegen. In Deutschland ist die Sparquote laut Bundesbank von 9,7 Prozent im letzten Quartal 2019 auf 16,7 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres gestiegen. Fürs zweite Quartal prognostiziert die Commerzbank einen Anstieg auf 20 Prozent. Die DZ Bank geht davon aus, dass die Sparquote dieses Jahr den höchsten Stand seit 1992 erreicht. In Anbetracht dieser Zahlen könnte es für Sparer sinnvoll sein, die Anzeigetafeln der Börsen weltweit zu prüfen. Auch wenn mancher Zweifel hegt, die Anstiege der Kurse seien alles andere als substanziell. Altmeister André Kostolany sagte dazu: Den Aktienmarkt könne man mit dem Hund und dem Herrchen vergleichen. Manchmal laufe der Hund vorne weg und manchmal müsse man ihn hinter sich herziehen. Demnach läuft der Hund, also die Aktienbörse, gerade vorneweg.

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