Lage am Wertpapiermarkt

Kurs halten und diversifiziert anlegen

Von Karl-Heinz Möller · 2018

Niedrige Zinsen zwingen Anleger und Investoren, nach Alternativen zu suchen, die mehr Rendite als Staatsanleihen und Festgeld bieten. Auch wenn aktuell die Aktienkurse schwanken mit Tendenz nach unten, bleiben Papiere der Unternehmen im Fokus.

Ein Mann im Anzug wirft mit Geldscheinen um sich. Thema: Lage am Wertpapiermarkt
Quelle: Deagreez, iStock

Sind es die dauerhaft festgefrorenen Zinsen, die steigende Inflation oder die horrenden Staatsschulden, die für heftige Aktienverkäufe sorgen, oder haben bereits die Bären das Zepter an den Weltbörsen in der Hand, weil es nicht nur bergauf gehen kann? Fakt ist, dass vor allem die Politik den Unternehmen im kommenden Jahr eine Vielzahl von Problemen serviert und Einfluss nimmt auf die aktuelle Entwicklung.

Von möglichen kriegerischen Aktivitäten abgesehen, die der Welt hoffentlich erspart bleiben und nie ein Problem nachhaltig lösen, steht für 2019 der tölpelhafte Zugriff von Politikern im Fokus der Analysten. Diese Versuche würden die Gewinnerwartungen senken und damit negativen Einfluss ausüben auf das Wirtschaftswachstum aller Nationen. Am Ende ließen sich steigende Kurse nur rechtfertigen, wenn auch die Gewinne sprudeln. Somit würden nicht nur die Shareholder, sondern auch die Stakeholder betroffen sein. Bleibt zu hoffen, dass die Lösung der durchaus vorhandenen gravierenden Schieflagen, als Beispiele seien genannt Armut, Hunger, Umweltbelastung, Protektionismus und wachsende Verschuldung, fair am Verhandlungstisch geregelt werden können. 

Den idealen Einstiegsmoment verpasst man immer

Psychologen stellten in Studien fest, dass der Mensch im Prinzip dazu neigt, die Dinge schlechter zu sehen, als sie wirklich sind. Viele Sparer, die Geld anlegen möchten, scheuen den Sprung ins kalte Wasser. Sie fürchten, einen schlechten Einstiegszeitpunkt an den Börsen zu erwischen. Doch wer langfristig anlegt, hat beste Chancen, ein gutes Ergebnis zu erzielen – unabhängig vom Investitionszeitpunkt. Anleger, die dagegen lange zögern oder schrittweise investieren, müssen mit geringeren Gewinnen rechnen.

Seit dem Jahr 2009 lief die Aktienhausse bis zur Jahreswende. Aktuell notieren die meisten Aktienindizes auf erheblich niedrigeren Niveaus und der Dax büßte mehr als zehn Prozent ein zum Wert am Jahresanfang. Beim Dow Jones schmolzen die schönen Gewinne ebenfalls dahin. Neben den schon genannten Ursachen spielt der aufgewertete US-Dollar eine Rolle. An der Leitbörse Wall Street reagieren die Kurse, da rein rechnerisch die Gewinne der in Dollar gelisteten Titel sinken. Fast die Hälfte (45 Prozent) der Umsätze der S&P 500 Unternehmen werden im Ausland erzielt.

Nun fragen sich viele Anleger, ob es nicht zu spät ist, jetzt noch an der Börse einzusteigen oder zusätzliches Geld zu investieren. Diese Zweifel beschlichen Anleger allerdings auch schon vor ein, zwei, drei oder vier Jahren. Doch wer damals auf den nächsten Kurseinbruch gewartet hat, um
einzusteigen, tat dies vergeblich und ließ sich dadurch eine Menge Gewinne entgehen.

Wertpapiermarkt: Wer nicht investiert, kann nichts verdienen

Optimale Einstiegszeitpunkte lassen sich nicht zuverlässig bestimmen. Ständig hin und her zu springen ist keine Alternative, wie eine Beispielrechnung des Vermögensverwalters J.P. Morgan Asset Management zeigt. Die Analysten untersuchten die Wertentwicklung eines Portfolios aus Aktien und Anleihen zwischen 1948 und 2012 sowie zwischen 1980 und 2012. Sie kalkulierten das Endvermögen für zwei Anlegertypen: Der erste kaufte das Portfolio und behielt es über beide Zeiträume (Buy-and-hold-Strategie). Der zweite Anleger hat immer nur dann investiert, wenn Aktienmarktbewertung, Arbeitslosenzahlen und Inflation bestimmte Werte nicht überschritten oder sanken. Unter dem Strich führte diese Schönwetter-Strategie in beiden Zeiträumen zu einem deutlich niedrigeren Vermögen im Vergleich zum Buy-and-hold-Investor. Zwischen 1948 und 2012 fiel der Kapitalzuwachs des Schönwetter-Investors um mehr als 50 Prozent geringer aus. Das unterstreicht eine triviale Erkenntnis: Wer nicht investiert, kann auch nichts verdienen.

Quelle: Bloomberg, 2018

Klassisches Kurs-Gewinn-Verhältnis ist kein Maßstab 

Absolut relevant sind realistische Bewertungen. Der Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller hält tragfähige Bewertungswerkzeuge für enorm wichtig. Das klassische Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Aktienpreis und Unternehmensgewinn in Relation setzt, sei überholt, weil es Verzerrungen und zyklische Schwankungen nicht berücksichtig. Shiller hat ein alternatives KGV entwickelt. Es basiert auf den inflationsbereinigten Unternehmensgewinnen der zurückliegenden zehn Jahre.

Wenn intensiv über Niedrigzinsen diskutiert wird, liegt die Beobachtung von Anleihen als Pendant zu Aktien nahe. Allerdings klingen Staatspapiere mit Kupons von weniger als einem Prozent wie derzeit bei einer zehnjährigen Bundesanleihe nicht gerade nach einer Alternative. Hochzins- und Unternehmensanleihen können mehr für das Depot leisten und sorgen in einem diversifizierten Portfolio für Rendite. Das Risiko wird damit auf mehrere Schultern verteilt.

Multi-Asset-Strategien gehen diesen Weg der Diversifikation, der besonders für langfristige Investments eine gute Wahl darstellt. Wie in einem Baukasten wählen Portfoliomanager ihre Positionen gezielt dafür aus, in der Regel gestützt auf mathematische Modelle. Je nach Ansatz und Horizont sind sie in der Lage, innerhalb definierter Bandbreiten positive Renditen zu erwirtschaften – unter Berücksichtigung kalkulierter Risikobudgets.

Beliebte Elemente heutiger Portfolios sind Exchange Traded Funds oder ETFs. Sie bilden Indices aller Art ab. Bezogen sich die ersten Modelle noch auf bekannte Klassiker wie S&P 500 oder MSCI World, sind mittlerweile Nachbildungen der meisten real existierenden Indices möglich.

Nicht weniger im Trend liegen Engagements im Bereich der Immobilien. Relativ hohe Renditen locken, sie sind aber auch attraktiv, weil sie am ehesten dem Anleger etwas zum Anfassen bieten. Mit dem direkten Kauf von Wohnungen, Häusern oder Grundstücken, der Beteiligung an Fonds in Form von Offenen Immobilienfonds oder AIFs, die in Mietshäuser, Gewerbeparks oder Logistikzentren finanzieren, existieren etliche Spielarten. Investitionen in die Infrastruktur nehmen im Rahmen der Immobilien eine Sonderstellung ein. Oft werden die großen Projekte von staatlichen Institutionen initiiert und über private Beteiligungen und Träger finanziert.

Der Reigen ist geschlossen, wenn intelligente Netzwerke als Teil der Infrastruktur angesehen werden. Nicht nur Verkehrssysteme werden smart, der gesamte Prozess des Investierens, des Handelns mit Vermögen und des Transfers von Geldgeschäften erfolgt in digitalen Netzen. Zu investieren in diese Revolution dürfte kein schlechter Deal sein. 

Sollten bei den notwendigen Maßnahmen zur möglichst breiten Streuung des Vermögens noch Euros übrig sein, darf der Anleger sinnlich werden. Wer beispielsweise in einen Picasso oder einen Jaguar Type E investiert, ist mindestens ein Freund von Kunst- und Oldtimern. Gleichwohl können mit großer Marktkenntnis Renditen erzielt werden, die der traditionell agierende Investor oder Sparer nie erreicht. Teilhaben können sie dennoch über den Kauf von Anteilen an einschlägigen Spezialfonds. Persönliche Vorlieben inbegriffen.

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