Ökonomische Progression

Auf den Spuren der Game Changer

Von Karl-Heinz Möller · 2021

Die Transformation der Ökonomie in eine umfassende Digitalisierung und Klimaneutralität ist die Aufgabe dieses Jahrhunderts. Sie eröffnet uns die Chance, vorhandene Strukturen neu zu denken. Eine große Mehrheit ist mit dabei, aber Skepsis bleibt. Weil wir verzichten, umschalten und sicheres Terrain verlassen. Es ist ein Thriller: Die Schurken sind aktiv, aber sie werden erkannt und überführt. Auf der Seite der Guten stehen Institutionelle und private Anleger bereit, weil sie mit ihrem Kapital die Bausteine für das Gelingen der ökonomischen Metamorphose setzen. Als Preis für den Einsatz ihrer Ressourcen steht eine hohe Belohnung: Neben dem pekuniären Erfolg genießen sie ökologische Vielfalt und hohe Lebensqualität.

Eine Hand setzt Bäume auf verschieden hohe Stapel von Zweieuromünzen.
Investieren in eine nachhaltige Wirtschaft. Foto: iStock / arthon meekodong

Auch wenn der Start von einer schweren Pandemie überschattet ist, steht das aktuelle Jahrzehnt im Zeichen einer progressiven ökonomischen Beschleunigung. Megatrends kehren Wirtschaft und Finanzen um und üben einen massiven Veränderungs- und Investitionsdruck auf die Märkte aus. Im Fokus stehen dabei strategische Weichenstellungen wie die Dekarbonisierung der Industrie. Seitens der Nachfrager legt die Digitalisierung ein erhebliches Potenzial an positivem Einfluss frei. Raus aus den bürokratischen Fesseln, eine Hand immer frei für das Smartphone. Cruisen, recherchieren, finden, bestellen, zahlen, überweisen, buchen, chatten – alles mit einem Click. Frische Unternehmen starten durch und fokussieren ihren Blick auf die Lebensgewohnheiten der jüngeren Generation. Ältere machen es nach, weil es so schön ist.

Jagd auf die Zeit- und Geld-Räuber für ökonomische Progression

Klimawandel und Digitalisierung sind auch die wichtigsten Treiber auf der Suche nach Compliance. Die Verfolgung dieser Megatrends steigt progressiv an und sie sind uneinholbar. „Investoren müssen sich deshalb ein möglichst umfassendes Bild über die Konsequenzen machen“, sagt Heinz-Werner Rapp, Vorstand des Vermögensverwalters FERI. So sei das Thema Nachhaltigkeit ein „Game Changer“, der die
Kapitalanlage und die Compliance institutioneller Investoren in den kommenden Jahren signifikant verändern werde. Eine überraschend starke Erholung in der ersten Hälfte des Jahres hat die Wirtschaftstätigkeit in den Schwellen- und Entwicklungsländern in der Region Europa und Zentralasien angekurbelt, wobei die regionale Wirtschaft 2021 voraussichtlich um besser als erwartet 5,5 Prozent wachsen wird, heißt es zuletzt in den Economic-Updates der Weltbank, die Ende November veröffentlicht wurden. Das Wachstum wurde hauptsächlich durch eine starke Erholung der Exporte in der ersten Hälfte dieses Jahres angetrieben, als sich die Aktivität im Euroraum erholte und die Rohstoffpreise allgemein stark anstiegen, sowie durch die Stärkung der Binnennachfrage aufgrund von Impfungen und Hilfspaketen.

Sachwerte wie Immobilien genießen Wertschätzung

Entsprechend enteilten Börsenkurse, der DAX springt Ende November auf neue Höchststände um die 16.000 Punkte. Im kommenden Jahr werden dank der Transformation in eine volldigitalisierte Wirtschaft die Technologiewerte weiter gefragt sein. Der Nachholbedarf sei nach Ansicht von Analysten eklatant. Bremsend sei nur der Mangel an Chips, dessen Ursachen weniger mit der Pandemie als mit weltweiten Übernachfrage zu tun habe. Insider des High-Tech-Anlagenbaus sprechen von gigantischen Engpässen entlang der Liefer- und Logistikketten, aber auch von Fehlallokation. Auf einer oberen Etage hinsichtlich Nachfrage und Preis dürfte das Segment der Immobilien angekommen sein. Wobei zu unterscheiden ist zwischen gewerblicher und privater Nutzung.

Während der Industrialisierung wanderte die Arbeit aus dem Haushalt in die Fabrik. Heute klopft sie wieder an die Wohnungstür. Die Möglichkeit von zeitlicher und örtlicher Flexibilität, beispielsweise zur Arbeit im Homeoffice, macht vor keiner Branche halt. „Selbst in der industriellen Produktion kehre hinsichtlich der Arbeitszeit eine gewisse Flexibilität ein“, beschreibt Steffen Neefe, Deutschland-Chef des Top Employers Institutes, die aktuelle Entwicklung. Offiziell bieten zwar immer mehr Arbeitgeber die Möglichkeit zum Arbeiten in den eigenen vier Wänden an, doch in der Praxis, so klagen viele Arbeitnehmer, werde es dann doch nicht gerne gesehen. In der Regel seien es privilegierte Jobs in Mangelberufen, beispielsweise im Mint-Bereich, der Tech-Branche oder bei Projektarbeit, die sich in diese Richtung bewegt haben.
Viel diskutiert aber nach wie vor ungelöst ist der Gap zwischen dem Bestand und der ungezügelten Nachfrage nach Immobilien. Laut einer Studie von Bulwiengesa vom Oktober 2021 wird auch 2022 das Investitionsvolumen bei über 60 Milliarden Euro liegen. Deutschland bleibe „The place to be!“ für Investoren. Vor allem Wohnungen, Logistikimmobilien und Büros in Top-Lagen würden beständig nachgefragt. Voraussichtlich werde die neue Bundesregierung bestehende Bundesgesetze ergänzen, um den Mietmarkt weiter zu regulieren. Für den gesamten Anlagebereich rücken die Aspekte Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social Governance) verstärkt in den Fokus. ESG ist, neben dem demografischen Wandel die große gesellschaftliche Herausforderung für das kommende Jahr. Damit Deutschland der „Begehrte Platz“ bleibt, muss die Klima- und Energiewende gelingen.

Enkelfähigkeit herstellen

Nach einschlägigen Beiträgen auf der Plattform für Finanzdaten Preqin wollen Investoren ihre eigenen nachhaltigen Überzeugungen zunehmend in ihre Portfolios integrieren. Zusätzlich beflügelten regulatorische Veränderungen wie die EU-Offenlegungsinitiative. Die Integration nachhaltiger Aspekte könnten dazu beitragen, die Risiko-Rendite Profile von Portfolios zu optimieren. Preqin zufolge werden in Europa 63 Prozent der Vermögen in Alternatives bereits unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien gemanagt. Abseits dramatischer Szenarien tut sich viel: Industrieunternehmen dekarbonisieren ihre Produktion. Energiekonzerne investieren Milliarden in erneuerbare Energien, und wieder andere werden von Finanzinvestoren zum grünen Umbau gezwungen: Ein großer Teil der Wirtschaft erlebt eine grüne Revolution. Ein Beispiel das Beachtung verdient: Martina Merz, Vorstandsvorsitzende des Stahlkonzerns Thyssenkrupp, sagte der Wochenzeitung Die Zeit, dass sie jeden Morgen beim Aufstehen an das Wort „Enkelfähigkeit“ denke. Weil darin alles drinsteckt, wie die Gesellschaft sich umorientiert. PS: Der Konzern stellte gerade einen Stahl vor, der schon 70 Prozent weniger CO₂-Emissionen verursacht.

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