Festverzinsliche Wertpapiere

Sichere Zinsen fürs Portfolio

Von Karl-Heinz Möller · 2019

Als stabilisierendes Element gehören festverzinsliche Wertpapiere zur klassischen Struktur eines Depots. Vor allem wegen ihres hohen Maßes an Sicherheit zählen sie bei Privaten Anlegern und Institutionellen hierzulande zu den beliebtesten Anlageklassen überhaupt. Trotz der anhaltend niedrigen Zinsen flossen im vergangenen Jahr mehr Geld in Renten- als in Aktienfonds.

Bankier spielt mit virtuelle Zahlen und Prozenten herum. Thema: Festverzinsliche Wertpapiere
Eine feste Verzinsung lässt das Depot kontinuierlich wachsen. Foto: iStock / marchmeena29

Da festverzinsliche Anleihen wie beispielsweise Bundesschatzbriefe über Jahrzehnte hinweg verlässliche Renditegaranten gewesen sind, stehen sie besonders bei sicherheitsorientierten Anlegern ganz oben auf dem Wunschzettel. Selbst wenn die zehnjährige Bundesanleihe aktuell nur noch mit knapp 0,3 Prozent rentiert, ändert das wenig an der Nachfrage. Bei einer angenommenen Inflationsrate von zwei Prozent erzielt der Anleger dann einen Realverlust von 1,8 Prozent abgesehen von Kursveränderungen bei einem Verkauf vor dem Ende der Laufzeit einer Anleihe. Nach einer Studie des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) verzeichneten dennoch allein Rentenfonds in Deutschland im vergangenen Jahr Mittelzuflüsse in Höhe von 20,7 Milliarden Euro – 2,5 Milliarden Euro mehr als Aktienfonds.

Festverzinsliche Wertpapiere: Regelmäßige Zinszahlungen über einen langen Zeitraum

Privatkunden investieren in Anleihen, weil sie eine Geldanlage über lange Zeiträume bevorzugen und bis zum Ende ihrer Laufzeit nicht weiter beachtet werden müssen. In der einfachsten Form gehören sie zu den Wertpapieren, die dem Käufer regelmäßige feste Zinszahlungen versprechen. Weiterer Vorteil: Die Kursschwankungen von Anleihen sind grundsätzlich geringer als die von Aktien. Das für den Erwerb wichtigste Kriterium ist die Qualität des herausgebenden Emittenten. Beispielsweise solide und niedrig verschuldete Staaten oder Bundesländer. Konzerne begeben Anleihen, um für große Investitionen Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Anleihen gehören für eine Unternehmung zu den klassischen Mitteln der Aufnahme von Fremdkapital. Sie verbriefen einen Rückzahlungsanspruch und Zinszahlungen in bestimmter Höhe. Während ein Investor durch den Kauf von Aktien Miteigentümer des Unternehmens wird, sind die Inhaber von Anleihen Gläubiger. 

Die Nominalverzinsung ist abhängig von der Bonität des jeweiligen Kreditgebers. Je schlechter die wirtschaftliche Position des Emittenten ist, um so höhere Zinsen erhält der Käufer als Ausgleich für sein Risiko. Kupons von Staatsanleihen bewegen sich in wirtschaftlichen stabilen Regionen zwischen null und zwei Prozent. Deutlich höhere Zinssätze sind für Unternehmen die Regel.

Quelle: Bloomberg 2019

Im Vergleich zum Kupon gibt die Rendite den Ertrag einer Anleihe wieder

Wichtiges Merkmal einer Anleihe ist die Fälligkeit, der Zeitpunkt für die Rückzahlung der aufgenommen Summe an die Anleger. Verzinst wird das Kapital mit einem festgelegten Satz, auch Kupon genannt, den der Emittent während der Laufzeit jährlich an den Käufer zahlt. Variabel verzinsliche Anleihen sind allerdings möglich. Hier erfolgt eine regelmäßige Anpassung des Zinssatzes an einen vorher ausgewählten Referenzwert.

Während der Laufzeit kommt es zu Abweichungen zwischen dem Kupon und dem jeweils aktuellen Marktzins. Dieser Unterschied wird zeitgleich über den Kurs ausgeglichen. Wenn demnach der Kupon höher liegt als der Marktzins, steigt der Kurs der Anleihe über den späteren Rückzahlungswert von hundert Prozent und gleicht so die Zinsdifferenz wieder aus. Im Vergleich zum Kupon gibt die Rendite den möglichen Ertrag einer Anleihe wieder. Sie steigt und fällt gleichgerichtet mit dem Marktzins. Auf Basis des inversen Zusammenhangs zwischen Marktzins und Kurs einer Anleihe können Anleger auf Kursgewinne spekulieren. Wird eine Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten, kann das Kursrisiko durch Marktzinsänderungen außer Acht gelassen werden.

Wichtig für eine gute Handelbarkeit einer Anleihe sind ein hohes Emissionsvolumen sowie enge Spannen zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten an der Börse. Ordergebühren und Stückelung können vor dem Anleihekauf bei den Banken beziehungsweise Brokern recherchiert werden. Um Marktzinsänderungs- und damit Kursrisiken aus dem Weg zu gehen, sollte eine Anleihe gezielt mit einer passenden Laufzeit gewählt werden. Das Risiko von Verlusten durch Zahlungsausfall lässt sich verringern, indem das Rating, Nachrichten und Geschäftsberichte des Emittenten recherchiert werden.    

Plus oder Minus?

Werden die Zinsen in den USA wieder fallen, oder ist die Niedrigzinsphase vorbei? Die exemplarische Entwicklung des Börsenkurses einer Bundesanleihe mit einem Kupon von zwei Prozent im fünften Jahr vor dem Laufzeitende in verschiedenen Zinsszenarien.

Verharrt der Marktzins auf dem (Emissions-)Niveau von zwei Prozent, verändert sich auch der Börsenkurs von 100 Prozent nicht. Anleger, die vor zehn Jahren einstiegen, erzielten bis heute weder einen Kursgewinn noch einen Kursverlust. Wie ein heutiger Käufer erzielen sie eine Rendite in Höhe des Kupons von zwei Prozent – sofern sie die Anleihe bis Fälligkeit weiter halten.

Steigt der Marktzins hingegen auf drei Prozent an, fällt der Anleihekurs. Anleiheinhaber müssten bei einem heutigen Verkauf Kursverluste hinnehmen. Anleger, die diese Anleihe heute erst erwerben, erzielen mit ihr eine Rendite in Höhe des neuen Marktzinses von drei Prozent, da sie zu einem günstigeren Kurs einsteigen und bis Laufzeitende Kursgewinne verbuchen können.

Sinkt der Marktzins auf ein Prozent, könnten Anleiheinhaber beim Verkauf heute einen Kursgewinn verbuchen. Neue Anleger müssten diesen höheren Kurs beim Kauf bezahlen und würden bis zum Laufzeitende einen Kursverlust erzielen. Ihre Rendite entspräche dem neuen Marktzins von einem Prozent und wäre damit geringer als der ursprüngliche Kupon.

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