Geldanlage

Markterholung auf unsicherem Terrain

Von Karl-Heinz Möller · 2018

EZB in Frankfurt am Main von Fluss-Seite gesehen
EZB in Frankfurt am Main

Das Geschäft mit der Geldanlage steckt voller Widersprüche. Zum einen klagen die Anleger über die Null-Verzinsung ihrer Einlagen. Andrerseits schichten sie ihr Kapital nicht um, damit es sich vermehrt. Dabei gibt es lukrative Möglichkeiten in jeder Marktlage: Aktien, Sachwerte, Fonds, Derivate und vieles mehr.

Nach ein paar Kursdellen am Anfang des Jahres haben die Indikatoren für Prosperität wieder hoffnungsvolle Level erreicht. Dennoch wird klar, dass eine neue Ära bevorsteht. Dynamisches Wachstum, niedrige Inflation und billiges Geld gepaart mit niedrigen Zinsen schufen bisher gute Voraussetzungen für die heimische Wirtschaft in einem relativ stabilen Koordinatensystem. Gute Bedingungen allenfalls auch für die Finanzmärkte.

Die märchenhaften Verhältnisse, wie sie die als Goldlöckchen-Ökonomie bezeichnete Situation in den vergangenen Jahren versprach, gehören zumindest vorläufig der Vergangenheit an. Besonders die protektionistische Ausrichtung der US-Wirtschaft verunsichert Investoren und Sparer. Nichts irritiert Anleger mehr als eine Situation mit ungewisser Zukunft, und politisch spielt der amerikanische Präsident weiter mit dem Feuer.

Volatilität und Unsicherheit nehmen zu

Auch wenn viele der Ereignisse erwartet wurden, kann bisher niemand das Ausmaß an Einflüssen für die deutsche Wirtschaft im Detail exakt kalkulieren. Mit einer weiteren Zunahme der Volatilität ist vorerst zu rechnen, und Turbulenzen dürften vor allem die stark exportorientierten Geschäfte ausgesetzt sein. Direkt ist die Stahl- und Aluminiumindustrie betroffen, und in naher Zukunft könnten es die Automobilbranche und der Maschinenbau sein.

Nicht dass es im Gefüge Europas langweilig geworden wäre. In Italien übernehmen die populistisch orientierte Fünf-Sterne-Bewegung und die Euro-kritische Lega das Regiment. Spaniens Parlament stürzt den bisherigen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und mit dem Sozialisten Pedro Sanchez an der Spitze folgt eine Koalition, die Brüssel gegenüber zumindest kritisch eingestellt ist. Die aktuellen Ereignisse feuern die Diskussion um höhere Investitionsquoten und Staatsverschuldung an. Der Euro könnte in diesem Kontext an Wert und Ansehen verlieren. 

Stabile Wirtschaftsaussichten schufen gutes Klima für Investments

Andererseits müssen Anleger nicht lange suchen, um genügend Aspekte für positive Ansätze zu finden. Denn an den aktuell grundlegenden ökonomischen Verhältnissen hat sich seit Jahresanfang gravierend nichts verändert. Unternehmen erwirtschaften mehrheitlich satte Gewinne und die Auftragsbücher quellen in den meisten Branchen über.

Die Börsen konnten sich in den vergangenen Wochen immer wieder erholen und den turbulenten Jahresanfang positiv korrigieren. Gegenbewegungen betrachten Analysten auch als chart-technische Reaktion auf vorherige Rückschläge. Es entsteht ein „Buy the Dip“-Automatismus: Anleger kaufen Wertpapiere bei Kursschwäche und nutzen die günstigen Einstiegskurse, weil sie an eine schnelle Kurserholung glauben. In der globalen Börsenhausse, die immerhin schon über neun Jahre andauert, hat sich diese Strategie oft bewährt.

Quelle: EZB, 2018

Steigende Zinsen, schwächelnder Euro und starker Dollar als Risiko

Aktuelle Erholungsphasen überdecken die makroökonomische Tatsache, dass die Weltwirtschaft in einem fortgeschrittenen Zyklushoch steckt. Da der Konjunkturzyklus in den USA sämtlichen Industrieländern nach Ansicht der meisten Ökonomen voraus ist, hängt viel davon ab, in welche Richtung die US-Wirtschaft mittelfristig steuert.

Investoren, in deren Portfolio sich Immobilien oder entsprechende Derivate befinden, konnten ebenfalls vom jahrelangen Aufschwung profitierten. Haus- oder Wohnungseigentum sind in diesen Tagen ein echtes Pfund, ob selbst genutzt oder nicht. Dieser Trend scheint sich fortzusetzen. In fast allen Großstädten Europas stehen weniger Büros leer und die Mieten sind gestiegen. Auf dem europäischen Festland kletterten die Mieten für Büroflächen in Spitzenlage im Jahr 2017 im Durchschnitt um sechs Prozent, laut Analysten von des US-Immobilien-Dienstleisters CB Richard Ellis.

Städte im Aufwind lösen Länder als Nachfragetreiber ab. Nach Untersuchungen der Marktforscher von Oxford Economics, wird in vielen Depots das prognostizierte Wirtschaftswachstum wichtiger europäischer Großstädte in den nächsten fünf Jahren nicht genügend berücksichtigt. In den meisten Ländern wird in den Hauptstädten oder in den größten Metropolen ein stärkeres Wirtschaftswachstum prognostiziert als in den kleineren Städten. Daher wird erwartet, dass Amsterdam, Berlin, Kopenhagen, Helsinki, Madrid, München, Oslo, Rom und Stockholm den jeweiligen nationalen Durchschnitt übertreffen werden.

In der Gesamtmischung bleibt ganz oben auf der Agenda von Sparern und Investoren dennoch die Aktie. Da die Zinsen erst einmal niedrig bleiben werden, kommen Anleger auch zukünftig nicht an diesem Wertpapier vorbei, ob direkt oder indirekt via Investmentfonds. Wer in Fonds investiert, kann weltweit unter mehr als 40.000 Fonds wählen. Die im Bundesverband der Investmentfonds BVI organisierten Kapitalverwaltungsgesellschaften verantworten über drei Billionen Euro von mehr als 50 Millionen privaten und institutionellen Investoren.

Anleger, die regelmäßige Auszahlungen wünschen oder sogar darauf angewiesen sind (Stichwort: Altersvorsorge, Stiftungen), liegen bei Income-Produkten goldrichtig. Sie stehen bei den gemanagten Fonds weit oben in der Gunst von Sparern. Ebenso beliebt und hinsichtlich der Performance ähnlich erfolgreich sind Multi-Asset-Fonds.

Wer traditionell spart, verliert: Ob Festgeld, Tagesgeld oder Sparkonto, die Deutschen geben ihre Gewohnheiten nur widerstrebend auf. Erst wenige Monate ist es her, seit die Europäische Zentralbank (EZB) verkündete, den Leitzins unverändert bei 0,0 Prozent zu belassen. Hart ersparte Rücklagen bringen aktuell kaum noch Zinsen. Daher muss intelligent investiert werden. Auch weil viele Anleger schlecht mit Kursschwankungen umgehen können, entwickeln professionelle Fondsarchitekten neue intelligente Produkte, die eventuelle Risiken geschickt umschiffen.

Es wird nicht gelingen, die Börsen ganz und gar kalkulierbar zu machen. Aber beispielsweise mit Sparplänen auf Aktienfonds, ETFs und Anleihen in einem anfänglich kleinen Depot kann relativ schnell eine ansehnliche Summe heranwachsen, da über die Jahre Ausschläge geglättet werden. Anleger, die einen Zeithorizont von 30 Jahren und mehr haben, sollten sich sowieso keine großen Sorgen machen.

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