Negative Kräfte an der Börse

Unter Druck

Von Karl-Heinz Möller · 2022

Selten wirken so viele negative Kräfte gleichzeitig auf die Märkte wie zurzeit. Der Krieg in der Ukraine, galoppierende Preise und steigende Zinsen sowie nach wie vor harte Maßnahmen wie Lockdowns in für die Weltwirtschaft wichtigen chinesischen Städten bremsen das Wachstum. Manche Börsianer sehen das Geschehen bereits in die Kurse eingepreist, und mutige Anleger steigen wieder ein. Andere warten oder kehren Aktien den Rücken.

Ein Stapel an Euromünzen steht auf einer Finanzzeitschrift und fällt um.
Der Wert des Euro steht aktuell auf wackeligem Grund. Foto: iStock / peterschreiber.media

Die Inflation geht um, sie liegt Anfang Juli bei acht Prozent und markiert einen Wendepunkt. Jahrelang profitierten die Börsen von den Niedrigzinsen und der Geldflut der Notenbanken. In der Zinsflaute herrschte Anlagenotstand, Investoren mussten das viele billige Geld schließlich irgendwo anlegen. Sie setzten daher verstärkt auf Aktien, die auch dank Dividenden attraktiver waren als manch andere Geldanlage. Das trieb die Aktienkurse nach oben. Mit dem Ende der ultralockeren Geldpolitik werden andere Investments nun wieder an Attraktivität gewinnen.

Negative Kräfte an der Börse: Inflation ist eingepreist

Allerdings stehen die weltweiten Börsen noch immer auf einem relativ hohen Niveau: Der MSCI World, ein Index, der die gesamte Weltwirtschaft abdeckt, hat gegenüber dem Stand von Ende März 2021 rund 9,1 Prozent gewonnen. Der US-Leitindex S&P 500 steht im selben Zeitraum sogar fast 15 Prozent im Plus. Das sind Werte, die immer noch deutlich oberhalb der Inflationsraten liegen. Wer statt auf Aktienindizes per ETF lieber auf Einzelaktien setzt, muss jetzt mehr Aktivität zeigen und Expertise vorweisen. Denn für einzelne Werte ist die Lage je nach Branche derzeit komplex. Beispielsweise kommt aktuell die hohe Inflation nicht von ungefähr. Ihre Ursachen sind nicht nur im Energiesektor zu finden. Erhebliche Engpässe bei Rohstoffen wie Aluminium und Kupfer sowie Lieferschwierigkeiten für viele Zwischenprodukte kommen hinzu. Zusammengenommen schmälern sie die Gewinne der Unternehmen weltweit. Höhere Preise sorgen auch dafür, dass Menschen weniger Geld für nicht lebensnotwendige Güter und Dienste ausgeben. Dazu geht die US-Zentralbank Fed mit der Ankündigung von Zinserhöhungen davon aus, dass dieses Jahr wohl weniger Geld in den Aktienmarkt fließen wird, Kurse demnach nicht so stark steigen dürften.

Klima und Umwelt steigen in der Gunst der Investoren

Klimawandel und Erderwärmung sind wissenschaftlich belegte Tatsachen. Die negativen Konsequenzen, die aus der Erderwärmung resultieren, müssen so schnell wie möglich minimiert werden. So ist der Schutz unseres Klimas und der Ressourcen ein zentrales Thema, bei dem nicht nur Produzenten und Verbraucher in der Verantwortung stehen, sondern auch Investoren und Kapitalanleger:innen. Manche reagieren bereits, indem sie Geld ganz bewusst vorrangig in nachhaltige Projekte und klimafreundliche Unternehmen stecken. Fonds bieten dabei ein breites Spektrum und sind bewährte Instrumente. Entsprechende Gütesiegel untermauern die ehrliche Absicht.

Ein bewährtes Krisenmittel in volatilen Zeiten sind Sachwertanlagen wie Edelmetalle, zum Beispiel Gold und Silber. Diese Investments bieten einen Wert in sich. Im Ernstfall kann besonders Gold als Tauschmittel dienen. Da Rohstoffe wie diese für gewöhnlich in US-Dollar gehandelt werden, spielen Wechselkurse eine entscheidende Rolle. Auch die Notierungen anderer Rohstoffe profitieren regelmäßig von einer Abwertung des Greenbacks, weil sie dadurch für Akteur:innen aus dem Nicht-Dollar-Raum billiger werden.

Sachwerte mit besonderen Eigenschaften sind Immobilien. Die Preise für deutsche Wohnimmobilien beispielsweise steigen seit Jahren, zuletzt im Rekordtempo. Analysten der Deutschen Bank halten ein Zyklusende in dieser Dekade für sehr wahrscheinlich. Ein vorsichtiges Fazit lautet: 2024 komme die Preiskorrektur, aber nicht als Crash. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts sind die Wohnimmobilienpreise im Schlussquartal 2021 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gestiegen. Eine „Flüchtlingswelle“ und die steigende Inflation sind demnach Faktoren, die das Zyklusende tendenziell aufschieben.

Gold-, Silber- und Kupferbarren.
Edelmetalle können in Zeiten von hoher Inflation ein Puffer im Depot sein. Foto: iStock / Oselote

Andere Formen von Wohnen und Immobilien möglich 

Muss das Eigenheim bei vielen künftig kleiner ausfallen? Mini-Grundstücke und reduzierte Wohnflächen sind eine Prognose, der sich manche Expert:innen nicht verschließen würden. In der kurzfristigen Lage haben sich die Finanzierbarkeit und Erschwinglichkeit von Immobilien sicher erschwert, sagt Stefan Münter, Vorstand von Europace. Münter bleibt für den Gesamtmarkt trotzdem optimistisch. Die Differenz zwischen Baugeldzinsen und der Preisentwicklung von Immobilien sowie der Wunsch nach den eigenen vier Wänden und die niedrige Eigentumsquote hierzulande seien klare Zeichen dafür, dass weiterhin ein breiter Anteil der Bevölkerung die Realisierung von Wohneigentum anstrebe.

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