Sachwerte

Zur Sache, Schätzchen

Von Karl-Heinz Möller · 2016

Eine Melange aus unsicherer politischer Situation und wenig bis null Verzinsung bei Staatspapieren treibt Anleger an, in die dingliche Materie zu investieren. Die Rede ist von Betongold, sprich Immobilien, oder echtem Gold und Eisen, sprich Rohstoffen, oder Oldies, sprich alten Autos und Möbeln. Wer schon solche Sachen besitzt, kann sich freuen. Wer nach neuen Schätzchen sucht, muss tief in die Tasche greifen. Die Nachfrage ist groß, die Preise steigen.

Antiquitäten können eine gute Anlage sein

Zwei wesentliche Aspekte sprechen für ein Engagement in Sachwerte. Zum einen können Anleger in der Regel ihre Investitionsobjekte sehen und nutzen. Beispiele wären Grund und Boden, Flugzeuge, Rohstoff-Mienen. Andrerseits steckt hinter der Investition immer eine greifbare Substanz als Sicherheit. Sachwerte sind demnach wahre Dinge oder „Real Assets“, also „echtes Anlagevermögen“.

Investitionen in Sachwerte bieten hohen Grad an Unabhängigkeit

Während Aktien und Anleihen lediglich auf einem Stück Papier Ansprüche dokumentieren, ist Anlagevermögen in der Lage, sowohl Wertschöpfung als auch Genuss und Lebensqualität zu erzeugen. Investitionen in Sachwerte werden an keiner Aktienbörse gehandelt. Ihr Wert ist korreliert mit dem Wert des Anlagegenstandes. Rendite entsteht nicht allein aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage, sondern hängt ab unter anderem vom gutem Management, erfolgreicher Bewirtschaftung (Vermietung, Nutzung) und dem Erlös bei einem eventuellem Verkauf.
Wolfgang Dippold, Vorstand der PROJECT Investment Gruppe, sagt, worauf es ankommt: „Sachwerte sind im Niedrigzinsumfeld unverzichtbar für Vermögenserhalt und Aufbau. Wichtig sind die Expertise und ein belegbarer Track Record des Anbieters, was mit einer aktuellen und testierten Leistungsbilanz des Investmenthauses beurteilt werden kann. Zudem sollte das Angebot der Regulierung des Kapitalanlagegesetzbuches unterliegen.“

Argument für Sachwerte ist die relative Unabhängigkeit

Je nach Situation bieten Investitionen in Sachwerte Unabhängigkeit. Nachteile sind oft systemimmanent. Immobilien zum Beispiel behalten ihren Standort, sind eben immobil. Verändert sich das Umfeld in negativer Weise, verliert das Grundstück oder das Haus an Wert. Ohne dass der Eigentümer daran etwas ändern kann. Auch den Werterhalt gibt es nicht gratis. Es ist ratsam und üblich, kontinuierlich in das Objekt zu investieren, damit Substanz und Wert mit der Zeit Schritt halten. Veränderung und Verkauf unterliegen häufig strengen Regeln. Es gibt Spekulationsfristen, Milieuschutz, Bauauflagen und vieles anderes mehr, die Kauf, Unterhalt und Verkauf erschweren.
Eine aktuelle Studie der Dextro Group Germany, einem unabhängigen Analysehaus für Investments außerhalb der klassischen Assets wie Aktien und Anleihen, zeigt, welche Anziehungskraft Sachwerte momentan besitzen. Nach den Ergebnissen der Untersuchung, an der 42 Emissionshäuser teilnehmen, wird 2016 ein Zeichnungsvolumen von 2,28 Milliarden Euro im Bereich der Publikumsfonds prognostiziert. Im Vorjahr betrug das Volumen 1,9 Milliarden Euro. Das Investitionsvolumen soll dabei bei 3,63 Milliarden Euro liegen. Das größte Segment nimmt einmal mehr mit 2,33 Milliarden Euro Investitionsvolumen der Bereich Immobilien ein.
Kernergebnisse einer anderen Studie von prognos im Auftrage der Allianz zeigen, warum Immobilien beziehungsweise Wohnungen zurzeit das Maß der Dinge für Investoren sind: Deutschland wächst wieder, Bevölkerungswachstum statt Schrumpfung; Deutschland ist ein Einwanderungsland, vergleichbar mit der Schweiz und Kanada und die Binnenwanderung nimmt größeren Einfluss auf regionale Wohnungsmärkte als die Zuwanderung. Deutschland hat keinen homogenen Wohnungsmarkt und die regionalen Wohnungsmärkte sind durch unterschiedliche Entwicklungen von Angebot und Nachfrage geprägt. Die Unterschiede auf den Wohnungsmärkten werden sich so weiter verschärfen, einerseits wachsende Leerstände, andrerseits Überhitzung.