Private Banking

Vermögenserhalt ist das oberste Ziel

Von Ceva Bergün · 2015

Wer viel auf dem Konto hat, kann mehr in die Waagschale legen. Das verschafft den wohlhabenden Kunden eine bevorzugte Stellung im Anlagegeschäft. Auch das Spektrum der Möglichkeiten weitet sich, weil es sich für den Berater lohnt, weltweit und in größerem Stil zu agieren.

Ohne ein Geldinstitut geht hierzulande bekanntermaßen gar nichts. Nahezu jeder Deutsche ist Kunde bei einem der rund 2000 Kreditinstitute. Vermögende können zusätzlich die bevorzugte Behandlung des Private Bankings genießen. Die Höhe des Sparguthabens oder die Größe des Depots macht den Unterschied. Es gibt keine allgemein gültige Definition für diese Kundschaft. Nur irgendwie vermögend muss sie sein. Bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegt die Hürde bei etwa 100.000 Euro frei verfügbarem Geld. Je weiter man in der Banken-Hierarchie nach oben geht steigt der erforderliche Betrag. In den Großbanken wird nicht selten die Private Banking Sparte separat geführt. Häufig gibt es einen Zusammenhang mit unternehmerischen Aktivitäten und dem normalen Bankgeschäft.

Größere Depots erzielen in der Regel bessere Renditen

Bei Privatbanken wird von einer Million Euro ausgegangen. Je mehr, umso interessanter ist es für die eigens dafür zuständigen Vermögensberater. Nicht nur wegen der dann höheren Gebühren. Mit größeren Depots lassen sich am Markt bessere Renditen erzielen. Auf der Privatbankenseite seien laut Marktkennern vor allem fünf eigenständige Institute mit persönlich haftenden Gesellschaftern für Milliarden-Bilanzsummen relevant: In Frankfurt Metzler und Hauck & Aufhäuser , in Hamburg Berenberg und M.M. Warburg sowie Lampe in Bielefeld.

Weltweit ist von den High Net Worth Individuals (HNWIs) die Rede. Diese müssen einige Millionen US-Dollar verfügbar auf dem Konto vorweisen. Ab 30 Millionen US-Dollar spricht man von Ultra High Net Worth Individuals (UHNWIs). Im kürzlich erschienen World Wealth Report, der branchenweit führenden Benchmark für den High Net Worth Markt, ist zu entnehmen, wo die Superreichen zu Hause sind (Asien-Pazifik-Region und USA), und wie sie wirtschaften beziehungsweise ihre Private-Banking-Berater arbeiten. Insgesamt ist die Rede von Zuwachs an HNWIs um sieben Prozent im vergangenen Jahr. Oft werden gewaltige Fonds mit eigenen Managern, verteilten Büros und eigener IT betrieben, die auch Externen zur Verfügung stehen. In vielen Fällen entwickelte sich daraus ein Family-Office mit eigenen Angeboten für reiche Familienclans. Beteiligungen an Stiftungen oder eigene Stiftungen gehören zum Repertoire. Als oberstes Ziel gilt der Vermögenserhalt.

Nachhaltigkeit und Wertigkeit spielen zukünftig eine größere Rolle

Das Spektrum der Anlageziele reicht von Direktinvestitionen in Firmen und Sachwerte wie Immobilien, Ölfelder oder Waldbesitz bis hin zu Anleihen und natürlich Aktien. In der Regel werden die Anlagen aktiv strukturiert und gemanagt. Bei den eigenen Fonds handelt es sich häufig um Multi Manager Fonds und Multi-Asset Fonds in allen Variationen. Zu den Beratungsleistungen der wohlhabenden Kundschaft gehören Rechts- und Steuerfragen. Auch 2014 haben Reiche nach Wegen gesucht, möglichst wenig ihres Vermögens an den Fiskus abgeben zu müssen. Sieben Prozent mehr Geld als noch im Vorjahr floss in Steueroasen. Nach Recherchen der Boston Consulting Group waren besonders beliebt Hongkong, Luxemburg, USA, Singapur, Kanalinseln, Dublin, Karibik, Panama und Schweiz.

Beteiligungen an Stiftungen oder eigene Stiftungen gehören zum Repertoire.

Insgesamt verändere sich aktuell die Rolle des Vermögensverwalters, sagen die Experten von Cap Gemini und RBC Wealth Management. Firmen überdenken ihre Service-Modelle und Möglichkeiten. Jüngere HNWIs und Industrielle entwickelten neue Bedürfnisse, Nachhaltigkeit und Wertigkeit seien ein immer interessanteres Thema.