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Sustainable Finance Initiative

„Nachhaltigkeit ist ein Qualitätsmerkmal“

Von Bundesverbands Alternative Investments e. V. (BAI) · 2021

Frank Dornseifer, Geschäftsführer des BAI e. V.

Die Corona-Krise stellt auch nachhaltiges Investieren auf den Prüfstand. Die Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Governance-Aspekten (ESG) bei der Kapitalanlage ist nicht neu, sie gewinnt aber durch die Sustainable Finance Initiative der EU-Kommission eine ganz neue Dynamik, konstatiert Frank Dornseifer, Geschäftsführer des BAI e. V.

Was verbirgt sich hinter der Sustainable Finance Initiative der EU?

Die Sustainable Finance Initiative (SFI) ist der Aktionsplan der EU zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums. Dieser beinhaltet zum einen die Umlenkung privaten Kapitals in nachhaltige Investitionen. Gleichzeitig sollen finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigt werden. Zudem soll Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit gefördert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, wurde ein komplexes Gesetzgebungspaket auf den Weg gebracht, zum Beispiel in Form der Taxonomie, die definiert was „nachhaltig“ ist, Benchmarks, Kennzeichen sowie Ratings für eine nachhaltige Kapitalanlage und zudem umfangreiche Offenlegungsvorschriften für alle Finanzmarktteilnehmer.

Welche Aspekte machen nachhaltiges Investieren konkret aus?

Im Kern geht es um die drei Buchstaben „E“, „S“ und „G“, also „Environment, Social und Governance“. „E“ steht beispielsweise generell für Ressourcenschonung, umweltschonende Produktion, Reduktion der Treibhausgase, etcetera, „S“ beispielsweise für die Einhaltung zentraler Arbeitsrechte, faire Bedingungen am Arbeitsplatz, Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, etcetera, und „G“ steht beispielhaft für Transparenz bei der Unternehmensführung und in der Außenkommunikation, die Verhinderung von Korruption, und so weiter.

Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für nachhaltige Anlageprodukte?

Im Vordergrund steht die Offenlegung von detaillierten Informationen in Bezug auf deren Nachhaltigkeit, also zum Beispiel vorvertraglich im Rahmen der Beratung, auf der Homepage, aber auch im Rahmen der laufenden Berichterstattung. Anleger sollen sich einen genauen Überblick über etwaige Nachhaltigkeitsrisiken machen können. Korrespondierende Informationspflichten bestehen natürlich auch gegenüber der Aufsicht. 

Was bedeutet dies für die Finanzbranche?

Finanzmarktteilnehmer sind auf allen Ebenen betroffen. Es beginnt bei den organisatorischen Anforderungen (Sustainable Finance Officer), dem Management von Interessenkonflikten, bei Investitionsentscheidungen und dem Risikomanagement usw. Der Umstellungsaufwand ist riesig und das gilt insbesondere für die umfangreichen Offenlegungsvorgaben. Denn dafür müssen erst einmal einschlägige ESG-Daten erfasst, analysiert und weiterverarbeitet werden. Hier entwickelt sich gerade eine Nachhaltigkeitsbürokratie, die durchaus kritisch gesehen werden muss und die zum Teil über das Ziel hinausschießt. Politik und Aufsicht befürchten ein sogenanntes Greenwashing.

Was genau versteht man unter „Greenwashing“?

Hierbei handelt es sich um die plakative Bezeichnung für missverständliche bzw. irreführende Aussagen, die darauf zielen, einem Unternehmen beziehungsweise einem Produkt in der Öffentlichkeit ein nachhaltiges Image zu verleihen, ohne dass es hier eine entsprechende Grundlage gibt beziehungsweise die einschlägigen regulatorischen Anforderungen erfüllt werden. Das Sustainable Finance Maßnahmenpaket soll grade auch Greenwashing vermeiden, zum Teil sind aber die Vorgaben nicht immer widerspruchsfrei, zum Teil fehlen auch noch Daten und Verfahren, um eine Harmonisierung herbeizuführen. Vor allem ist der Umstellungsaufwand in der Realwirtschaft gigantisch. Wir werden nicht von heute auf morgen in einer total nachhaltigen Welt leben und investieren können.

Kontakt

Bundesverband Alternative Investments e.V.
Poppelsdorfer Allee 106
53115 Bonn
Telefon: +49(0)228-96987-0
E-Mail: info@bvai.de
Web: https://www.bvai.de

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