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Nachhaltige Investments

Nachhaltige Geldanlage – Auch nach der Pandemie ein dynamischer Markt

Von Carlo Maximilian Funk · 2020

Carlo M. Funk

Laut dem aktuellen Global Market Outlook 2021 von State Street Global Advisors könnte das kommende Jahr im gemeinschaftlichen Kampf gegen den Klimawandel und andere ökologische und gesellschaftliche Probleme ein entscheidendes Jahr sein. Denn nachhaltige Investments gewinnen eine Dynamik, die auch lange über das Ende der Pandemie hinaus anhalten dürfte, erklärt Carlo M. Funk, EMEA Head ESG Investment Strategy bei State Street Global Advisors.

Nachhaltige Geldanlage schneidet 2020 überdurchschnittlich ab. Nach einigen Jahren des langsamen, aber steten Wachstums strömen die Anleger seit Beginn der Coronapandemie geradezu in nachhaltige Geldanlagen. Laut Morningstar wurden im dritten Quartal 2020 mehr als 80 Milliarden US-Dollar in globale Nachhaltigkeitsfonds investiert, in denen ESG-Faktoren -Umweltthemen, gesellschaftliche Aspekte und Governance Berücksichtigung finden. Das entspricht einem Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal von 14 Prozent. Gleichzeitig stieg das verwaltete Vermögen um 19 Prozent auf den Rekordwert von 1,23 Billionen US-Dollar. Am stärksten investierten dabei europäische Anleger, aber auch aus den USA, Kanada, Australien und Neuseeland sowie Japan und den anderen asiatischen Ländern flossen Mittel zu. Der europäische Markt für nachhaltige Fonds wuchs zwischen dem zweiten und dritten Quartal sogar um zehn Prozent, während der europäische Fondsmarkt insgesamt nur um 1,6 Prozent zulegen konnte.

ESG-Ratings korrelieren mit Gewinnprognosen

Diese Popularität hat durchaus ihre Berechtigung. In der Pandemie hat die Widerstandsfähigkeit nachhaltig arbeitender Aktiengesellschaften das Interesse der Anleger geweckt. So kam kürzlich eine Studie von Fidelity zu dem Schluss, dass Aktien und Anleihen mit besseren ESG-Ratings 2020 auch eine bessere Wertentwicklung verzeichnet haben als Papiere mit schlechteren Ratings. Und der MSCI ACWI ESG Universal Index verbuchte zwischen Jahresanfang und November 2020 gegenüber dem herkömmlichen MSCI Index eine Überrendite von 1,6 Prozent. Außerdem hat die Bank of America beobachtet, dass Unternehmen mit guten ESG-Ratings in den USA, Europa und Asien ihre Gewinnprognosen für 2020/2021 weniger stark nach unten korrigieren mussten als Unternehmen, die in Sachen ESG schlechter abschnitten. Weltweit wird seit Beginn der Pandemie versucht, der Wirtschaft mit massiven Konjunkturpaketen unter die Arme zu greifen. Der Staat gewinnt in Unternehmens- und Gesellschaftsfragen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ist damit zu rechnen, dass Nachhaltigkeit auf der politischen Tagesordnung weiter nach oben rücken wird. Vor allem der CO2-Ausstoß wird regulatorisch noch stärker begrenzt werden, damit die Ziele des Pariser Klimaabkommens – Klimaneutralität spätestens 2050 – erreicht werden können.

Mit weiteren Initiativen zur CO2-Bepreisung werden insbesondere in China und Europa entscheidende Anreize zur Emissionsreduzierung gesetzt. Wir rechnen damit, dass die Erholung der Weltwirtschaft nach der Pandemie maßgeblich von erneuerbaren Energien getrieben sein wird. China, Indien und die Europäische Union legen nach wie vor große Solar- und Windkraftprojekte auf. Die EU investiert auch in ein nachhaltiges Bahnnetz, zudem wird der Kauf von Elektrofahrzeugen umfangreich subventioniert und die entsprechende Ladeinfrastruktur installiert. Besonders signifikant für den Klimaschutz dürfte in diesem Jahr jedoch die Wahl von Joe Biden zum nächsten Präsidenten der USA gewesen sein. Biden hat ein Zwei-Billionen-US-Dollar schweres Klimapaket versprochen, mit dem die Infrastruktur des Landes modernisiert, neue Arbeitsplätze geschaffen, die Industrie gestärkt und der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden sollen, um so CO2-und Methanemissionen zu senken und Amerika bis 2050 klimaneutral zu machen. Auch der erneute Beitritt der USA zum Pariser Klimaabkommen zählt zu Bidens erklärten Zielen. Ob Biden seine ehrgeizigen Ziele durchsetzen kann, hängt von den zukünftigen Mehrheiten im Senat ab.

Stakeholder gewinnen an Bedeutung

Aktionäre sind nicht die einzige Interessengruppe. Unternehmen, die sich mit staatlichen Hilfen über Wasser gehalten haben, tragen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung: Sie arbeiten nun mit einer „Social Licence to Operate“, einer von der Gesellschaft ausgestellten Betriebserlaubnis. Von der Unternehmensspitze wird zunehmend erwartet, auch die Konsequenzen für Kunden, Mitarbeiter, Partner, Lieferanten, Gesellschaft und Umwelt im Blick zu bewahren. Diese neue Haltung und die Frage nach der Sinnhaftigkeit unternehmerischen Handels dürfte sich in den nächsten Monaten weiter durchsetzen. Dass etwas im Wandel ist, zeigt sich gut auch am Beispiel der Dividende. In einer typischen Konjunkturflaute schützen Unternehmen ihre Dividendenzahlungen, um den Aktionären ein positives Signal zu senden. Doch da sich der Stakeholder-Kapitalismus immer weiter durchsetzt, unterstützen Anleger mittlerweile verstärkt eher Unternehmen, die den Cashflow in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeiter und die Festigung von Kunden- und Lieferantenbeziehungen verwenden.

Klimawandel rückt nach der Pandemie weiter in den Fokus

Unternehmen werden immer transparenter arbeiten und beweisen müssen, wie sie allen Interessengruppen gerecht werden. Um den Fokus der Märkte zu einer längerfristigen Wertschöpfung für alle Interessengruppen zu lenken, müssen zu den Quartals- und Geschäftsjahreszahlen verstärkt ESG-Informationen berichtet werden. Mit der Pandemie hat sich in vielen Ländern und Unternehmen der Fokus verschoben. Dies könnte sich als Segen für den Kampf gegen den Klimawandel erweisen, die vielleicht größte langfristige Bedrohung der Menschheit. Unserer Ansicht nach wird der Klimawandel zunehmend als schwelende Katastrophe wahrgenommen, auf die dringend reagiert werden muss.

Auf dem Weg in eine nachhaltigere, gerechtere und emissionsärmere Welt ist die Rolle der Anleger nicht zu unterschätzen. In unseren Augen werden immer mehr Anleger die Wesentlichkeit der Chancen und Risiken der Nachhaltigkeit erkennen, sodass im kommenden und den nachfolgenden Jahren die nachhaltige Geldanlage kräftig an Dynamik und Aufmerksamkeit gewinnen wird.

Mehr Infos unter: www.ssga.com

Kontakt

State Street Global Advisors
Solmsstr. 83
60486 Frankfurt am Main
E-Mail: spdrsgermany@ssga.com
Web: http://www.ssga.com

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