Impact Investing

Transformation, die Zweite

Von Karl-Heinz Möller · 2021

Seit zwei Jahrzehnten weitet sich das von inhaltlichen Prinzipien geleitete Investieren (Impact Investing) auf den Bereich der Ökologie aus. Gründe dafür sind Umweltkatastrophen wie Seveso, Bhopal, Tschernobyl, Exxon Valdez, und Fukushima. Der genau vor zehn Jahren eingetretene Supergau vor Japans Küste aktiviert das Bewusstsein für globale Umweltprobleme wie den Treibhauseffekt und Umweltzerstörung. In diesem Kontext rücken Investments in Umwelt- und Klimatechnologien, erneuerbare Energien und Risikomanagement in den Fokus von institutionellen und privaten Anlegern und Investoren.

Pflanze, die als Pfeil nach oben wächst
Foto: iStock/robertsrob

Nach der digitalen Transformation geht eine Mehrheit von Ökonomie- und Finanzexperten davon aus, dass die Pandemie den Anstoß für die nächste große strategische Umformung in Unternehmen und Gesellschaft herbeiführt: die Transformation nach ESG-Kriterien. ESG steht für Umwelt (Environment), soziale Kategorien (Social) und Unternehmensverantwortung (Governance). Ähnlich wie die Digitalisierung werde auch ESG das Potenzial entwickeln, das Denken und Handeln erfolgreicher und zukunftsfähiger Unternehmen entsprechend zu verändern. Nachhaltigkeit steht sowohl in der Politik als auch bei Anlegern hoch im Kurs und wirkt damit anhaltend auf alle Ebenen der Wertschöpfung.

Impact Investing steht im Fokus

Vor allem die jüngere, digital-affine Generation zeigt, mit Blick auf die eigene Zukunft, ein großes Engagement und Interesse an mehr Tiefe als an maximaler Rendite. Geldinstitute spüren laut Studien eine steigende Nachfrage zu nachhaltigen Finanzprodukten. „Impact Investments“ seien dabei als breiter Trend erkennbar. Hintergrund und die Wirkung des Handelns sind mindestens so wichtig wie die Verzinsung. Es ist an der Zeit: Das dritte Dürrejahr in Folge in Deutschland, verheerende Waldbrände in Australien und Kalifornien, Rekordtemperaturen am Nord- und Südpol und nicht zuletzt die COVID-19-Pandemie haben beim Klimaschutz zu verstärkten Aktivitäten geführt. Nicht nur die Europäische Union, Großbritannien, Japan, Südkorea und viele US-Bundestaaten haben Klimaneutralität bis 2050 als Ziel formuliert, auch China bekennt sich zur Klimaneutralität vor 2060. Der Europäische Rat hat im Dezember 2020 das EU-Klimaziel für 2030 auf mindestens minus 55 Prozent erhöht. Dies bedeutet, dass auch Deutschland seine Ziele anspruchsvoll verändern muss – ein klares Zukunftssignal für mehr Klimaschutz und mehr Erneuerbare Energien. Das neue EEG (Erneuerbar-Energie-Gesetz) schafft dafür den Rahmen, mit dem das Ziel von 65 Prozent Erneuerbare Energien bis 2030 und Treibhausgasneutralität in der Stromversorgung in Deutschland noch vor dem Jahr 2050 erreicht werden kann.

Tempo dank Monitoring 

Schon der Umfang der Novelle zeigt: Ein weiterer großer und zentraler Schritt für die Energiewende ist getan. Das Gesetz legt fest, in welcher Geschwindigkeit die einzelnen Technologien wie Wind und Photovoltaik in den nächsten Jahren ausgebaut werden, damit die gesetzten Marken erreicht werden können. Jährlich wird in einem stringenten Monitoringprozess überprüft, ob die Erneuerbaren Energien tatsächlich in dieser gewünschten Geschwindigkeit ausgebaut werden. Für Investitionen in dieses Segment spricht die aktuelle Entwicklung: Der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch erreicht 2020 mit 46,2 Prozent einen Höchstwert. Zugleich hält der Zubau bei der Windkraft längst nicht Schritt und immense Investitionen stehen an. Der Bedarf an Kohle fällt dafür weiter zurück: Braun- und Steinkohle tragen zusammen nur noch 24 Prozent zur Stromerzeugung bei, schon weniger als allein die Windkraft (Offshore und Onshore). In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Kohleverstromung halbiert. Die Zeitenwende auf den Finanzmärkten ist auf der gesamten Bandbreite der Assets zu beobachten. Investoren und Analysten verzeichnen eine veränderte Wahrnehmung zu den Ertragsaussichten von ESG-Produkten. Renditenachteile bei nachhaltig orientierten Geldanlagen entsprächen nicht mehr der Realität. ESG-Indizes entwickelten sich längst stärker als Standardindizes. Wie die Entwicklungen der im Bundesverband der Investmentfonds BVI geführten Statistiken ausweisen, boomen die Fonds mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Es sei kein Zufall, dass dieses Segment während der Börsenschwäche im vergangenen Frühjahr eine resistente Perfomance zeigte. Fokussierung auf Sicherheit, die Vermeidung von Risiken und das gefragte Umfeld wurden vom Markt belohnt. Die Investmentgesellschaft Lyxor stellte in ihren Auswertungen für das vergangene Jahr fest, dass die Netto-Mittelzuflüsse bei Fonds mit dem Fokus Nachhaltigkeit erstmals höher als die bei klassischen ETFs waren. In traditionelle Indexprodukte flossen neu 43,8 Milliarden Euro, während DSG-ETFs 45,5 Milliarden Euro verbuchten. Analysen anderer Emittenten ermittelten ähnliche Ergebnisse. 

„Green Deal“ – eine Vision setzt sich durch

Der Europäische „Green Deal“ der EU umschreibt das Ziel, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt zu werden. Um diese Marke zu erreichen, sollen alle Wirtschaftssektoren einen aktiven Beitrag leisten und Maßnahmen ergreifen: Effizientere Ressourcennutzung in einer kreislauforientierten Wirtschaft, die Herstellung biologischer Vielfalt sowie die Verringerung der Umweltverschmutzung. Zwar fließe immer noch enormes Kapital in fossile Energien, aber dieser Kapitalfluss nimmt rapide ab. Es entsteht eine sogenannte Carbon Bubble. Unternehmen mit toxischem, fossilem Kapital drohen enorme wirtschaftliche Probleme. Solche Risiken können vermieden werden, indem Anleger ihre Strategien umsteuern und Geld umschichten. COVID-19 dominiert derzeit den gesellschaftlichen und privaten Diskurs. Oft werden dabei die Zusammenhänge der Klimakrise mit dem Virusgeschehen verdrängt. Mittelfristig wird sie das größere Problem sein, sodass Millionen Menschen durch neue Krankheiten, Überschwemmungen und Dürreperioden um ihre Existenz bangen. Menschliche Wesen tendieren generell dazu, kurzfristige Probleme und Gefahren intensiver wahrzunehmen und höher zu bewerten als langfristige. Eine Prägung mag im Rahmen einer steinzeitlichen Vergangenheit als Jäger und Sammler evolutionär durchaus hilfreich gewesen sein, droht in Zeiten von COVID und Klimakrise allerdings irreversible Fehlentwicklungen zu verursachen.

Grafik: Anlagevolumen nachhaltiger Mandate und Investmentfonds in Deutschland in den Jahren von 2009 bis 2019

Quellen:
www.diw.de
www.ifo.de
https://europa.eu/european-union/index_de​

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