Zertifikate

Wo Chancen sind, lauern auch Risiken

Von Andreas Taler · 2016

Zertifikate locken mit überproportionalen Renditen auch immer mehr Kleinanleger an. Vor allem Garantie- und Indexzertifikate haben es den privaten Investoren angetan. Trotz der Namen zählen diese Investments jedoch zu den riskanter einzustufenden Geldanlagen.

Über alle Grenzen hinweg in verschiedene Unternehmen, Branchen und ganze Märkte investieren und dabei noch eine ganz einträgliche Rendite rausschlagen – das wünschen sich auch immer mehr Kleinanleger. Möglich machen das Zertifikate. „Privatanleger können nicht nur in eine Vielzahl von Basiswerten wie Aktien oder Indizes investieren, sondern kostengünstig auch in Strategien, Branchen oder Regionen“, erklärt der Vorstand des Zertifikate Verbandes DDV.

Bei Zertifikaten handelt es sich um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen, also um verzinsliche Wertpapiere. Ihr Kurs – und damit ihre Rendite – hängt meist von der Entwicklung anderer Wertpapiere, Indizes oder Branchen ab. So gibt es etwa einfache Zertifikate, die an den Börsenindex DAX gekoppelt sind. Andere, kompliziertere Produkte versprechen etwa einen Kapitalschutz oder sollen durch einen sogenannten Hebel die Rendite erhöhen.

Emittentenrisiko nicht unterschätzen

Doch wo es Chancen gibt, lauern auch Risiken. Die Verbraucherzentrale Berlin nennt hier zum Beispiel das Emittentenrisiko. Der Emittent ist das Unternehmen, das jeweils Zertifikate herausgibt. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Bank. Diese erhält das angelegte Kapital und zahlt es nach Laufzeitende an den Investor zurück. „Sollte der Emittent zwischenzeitlich zahlungsunfähig geworden sein, trägt der Anleger den Schaden“, erklären die Verbraucherschützer. „Sein Kapital erhält er dann nicht zurück, oder erst nach einem langwierigen Insolvenzverfahren, bei dem er als Gläubiger seine Ansprüche anmelden muss.“

Mit unterschiedlichen Produktvarianten versuchen Banken, die Anleger für Zertifikate zu gewinnen. Dabei spielen nach Angaben des DDV Garantie- oder Kapitalschutz-Zertifikate eine wichtige Rolle. Kapitalschutz-Zertifikate schonten die Nerven auch in unsicheren Börsenzeiten, da die Anleger am Laufzeitende mindestens den Nennwert zurückerhielten, versichern die Experten. Verbraucherschützer geben allerdings zu bedenken, dass auch bei diesen Varianten das Emittentenrisiko nicht ausgeschlossen ist.

Verschiedene Produktvarianten

Besonders bekannt in der Zertifikatepalette sind Index-Zertifikate. Sie beziehen sich auf einen Index, wie etwa den Deutschen Aktienindex DAX, Rentenindizes oder den Dow Jones Industrial Average. Dabei handelt es sich entweder um Preisindizes oder um Performance-Indizes. Erstere zeichnen die Kursentwicklung nach Abzug der Dividendenzahlungen nach, bei letzteren werden die Dividendenzahlungen in die Entwicklung eingerechnet. Eine weitere Variante sind Basket-Zertifikate. Hier werden einzelne Aktien oder Indizes quasi in einem Korb zusammengefasst. „Die darauf basierenden Zertifikate funktionieren dann im Grunde wie Indexzertifikate“, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Es ist aber möglich, dass der Emittent die Gewichtung der einzelnen Werte während der Laufzeit verändert. Solche Veränderungen sind aber vorher vereinbart.

Eine andere Form sind sogenannte „Einzel-Zertifikate“. Sie haben als Basiswert nur einen einzigen Wert. Das kann beispielsweise der Wert einer einzigen Aktie oder der eines Rohstoffes wie etwa Gold oder Kaffee sein. Als besonders riskant gelten Hebel-Zertifikate, bei denen es zu Totalverlusten kommen kann. Die Verlustrisiken bei Hebel-Zertifikaten sind deshalb so hoch, weil sie durch die Hebelwirkung Schwankungen des Basiswertes überproportional abbilden. Dadurch sind bei Wertsteigerungen die Gewinnchancen für die Investoren zwar höher, ebenso aber auch die Verlustrisiken.

Alles in allem sind Zertifikate nicht für jeden Anleger geeignet. Aufgrund ihrer hohen Komplexität und der Vielzahl an Zertifikaten sollten Investoren, die derartige Papiere erwerben wollen, unbedingt über ein bestimmtes Maß an Markt- und Produktkenntnissen verfügen.