Altersvorsorge

Taler und Dukaten fallen nicht vom Himmel

Von Jose Molinero · 2016

Mit der richtigen Anlagestrategie entspannt im Alter.

Etwas Geld auf der hohen Kante zu haben, beispielsweise für Urlaub, Auto oder Kleidung, ist eine feine Sache. Um allerdings kontinuierlich die gesamte Lebenszeit so komfortabel wie möglich zu gestalten, ist ein wenig mehr Mathematik nötig. Mit der richtigen Formel bleibt im Alter genug für das angestrebte Maß an Lebensqualität.

Die Märchen vom Mädchen, dem Taler vom Himmel in die Schürze fallen oder die Haufen aus Goldmünzen, die der Dukatenesel zur Freude seines Besitzers produziert (Brüder Grimm: „Die Sterntaler“, „Tischlein deck dich“) hört und liest jeder gerne. Existierten sie in der Wirklichkeit, gäbe es keine Probleme mit Armut im Alter oder Geldknappheit. In der Regel führt der Weg zu einem guten Auskommen im Ruhestand über eine systematische Vorsorge. Jacob und Wilhelm Grimm lebten übrigens bis zu ihrem Tode in ordentlichen finanziellen und existenziellen Verhältnissen.
Analytisch betrachtet kann die Vorsorge in vier Phasen geteilt werden. Phase eins (Alter 20 bis 30) beginnt während der Ausbildung oder fällt in die ersten Berufsjahre mit der Rücklage eines Minimalbetrages, beispielsweise als Einzahlung in einen Sparplan für einen Fonds, oder ein Festgeldsparkonto. In der folgenden Periode mit unterstellt zunehmendem Einkommen wird die Basis für ein Depot gelegt, das parallel zu den Einzahlungen für die gesetzliche Rente systematisch wachsen soll. Je nach Kassenlage wird es bei mittlerem Risiko eine breite Palette von Anlagen enthalten: Aktien, Aktienfonds, Anleihen, Alternative Investments und andere.

Starker Wille zum Sparen ist in jedem Alter hipp

Experten raten zu zwei Überlegungen: Möglichst keine Schulden entstehen zu lassen und den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Altersvorsorge.
In Phase zwei (Alter 30 bis 45) stehen die Zeichen auf Wachstum. In dieser Zeit soll das Volumen der Ersparnisse wachsen. Zinszinseffekte stellen sich ein. Ein niedriger zweistelliger Anteil von Aktien ist für die langfristige Performance wichtig, realisiert entweder in Aktienfonds, ETFs (Exchange Traded Funds) oder direkten Engagements. Konkrete Überlegungen der Diversifikation dürfen nicht am Erwerb von Immobilien vorbei gehen. Beispielsweise mietfrei im Alter zu wohnen, ist ein Ziel mit vielen Vorteilen. Auch eine vermietete Wohnung sorgt für Geldfluss (Cashflow), der die Rente angenehm erhöht. In diesem Kontext geht es um die richtige Balance zwischen Kredittilgung und Sparen. Eine weitere Option wären Aktienfondssparpläne nach „Riester“. Für diese Form der Altersvorsorge gibt es staatliche Zulagen.

Geldzuwachs ist kein Märchen, sondern das Ergebnis von Zinseszins

In der Phase drei (Alter 45 bis 60) ist es Zeit für eine exakte Bilanz und Prognose. Ob die zur Verfügung stehende Summe dann im Ruhestand reichen wird, lautet die Rechenaufgabe. Vielleicht muss bei Bedarf eine Lücke gefüllt werden. Dies fällt in dieser Phase oft leichter, da eventuell das Gehalt ordentlich angestiegen ist. Oder es außerordentliche Zuflüsse (Erbe et cetera) gegeben hat.
Im Übrigen hat der Staat für Situationen vorgesorgt, die bei der Familienplanung eine Rolle spielen. Verluste bei der Rente können abgefedert werden, die durch Auszeiten entstanden. Leistungen wie Erziehungs-, Anrechnungs- oder Berücksichtigungszeiten sind bei der gesetzlichen Rente vorgesehen. Zum Beispiel: Drei Jahre lang nach der Geburt des Kindes übernimmt der Staat Rentenbeiträge für Mutter oder Vater – je nachdem, wer das Kind überwiegend erzieht. Deren spätere Rente erhöht sich so, ohne dass sie selbst in die Rentenkasse einzahlen.
In der Phase vier (Vorruhestand, Ruhestand) werden Weitsicht, Ausdauer und Disziplin belohnt. Zur staatlichen Rente, vielleicht auch Betriebsrente, steht ein Portfolio bereit, das den Lebensabend absichert. Es empfiehlt sich ein Ablaufmanagement zu überlegen, um die in den Aktienfonds angesammelten Gewinne beispielsweise in Rentenfonds in Sicherheit zu bringen. Oder in andere risikoarme Alternativen zu wechseln.
Generell sind in Anbetracht der aktuell niedrigen Zinsen die Möglichkeiten einer lukrativen Anlage beschränkt. Phantasie ist gefragt, gute Beratung tut not. Wer es an der Börse selbst versucht, sollte in sich ruhen. Dabei an die Worte von Andre Kostolany denken: „An der Börse sind zwei mal zwei niemals vier, sondern fünf minus eins. Man muss nur die Nerven haben, das Minus auszuhalten.“