Vermögensverwaltung

Professionelles Renditemanagement

Von Andrea Borchen · 2017

Der gewöhnliche Privatkunde lässt sich in Geldangelegenheiten von seiner Bank beraten und entscheidet sich anschließend für ein passendes Vorgehen. Kunden mit etwas Kapital legen diese Aufgabe gern ganz in die Hände von Vermögensverwaltern. Der Trend geht zu digitalen Angeboten.

Vermögensverwaltung wird von Banken und Sparkassen ebenso wie von einer großen Zahl freier Vermögensverwalter angeboten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht nur Anlageratschläge erteilen, sondern auch eigenständig über Anlagen entscheiden können, entsprechend den konkreten Vereinbarungen mit dem Kunden. Ziel ist es, das Vermögen des Kunden zu vermehren oder zumindest zu erhalten. Laut einer Studie der internationalen Managementberatung Bain & Company gibt es in Deutschland mehr als 200.000 Bankkunden mit einem frei verfügbaren Vermögen von mehr als einer Million Euro. Eine Summe, bei der Vermögensverwaltung in Betracht kommt.  

Vorteile überwiegen

Die Vorteile der Vermögensverwaltung liegen vor allem in der Professionalität des Depot-Managements. Zum einen ermittelt der Verwalter die individuellen Bedürfnisse des Kunden – auch hinsichtlich der Risikofreudigkeit und der Erwartungen hinsichtlich der Rendite. In der Regel führt der Depotverantwortliche selbstständig die Transaktionen für den Kunden aus. Im Gegensatz zum privaten Anleger hat er Zugang zu speziellen Finanzprodukten und -dienstleistungen wie den vorbörslichen Handel von Wertpapieren. Nicht zuletzt bieten Vermögensverwalter den Kunden ein umfassendes Paket mit Steuerberatung, Vorsorge- oder Erbschaftsberatung an (Family Offices). Die Vergütung erfolgt in der Regel per Honorar und eventuell einer prozentualer Gewinnbeteiligung. Diese Kosten und anfallende Gebühren können den Zuwachs im Portfolio im schlechtesten Fall aufzehren.

Digitale Konkurrenz 

Allerdings gerät die aktive Vermögensverwaltung aufgrund von günstigen Online-Broker-Angeboten und weniger aufwendig zu betreuenden ETF-Produkten wie Indexfonds, die einen speziellen Börsenindex abbilden, zunehmend unter Druck. Auch sucht der vermögende Kunde oft mehr Unabhängigkeit und leichteren Zugang zu seinem Portfolio. Trend in der Vermögensverwaltung sind daher verstärkt Robo-Advisors, welche die Dienstleistungen eines traditionellen Finanzberaters digitalisieren. Nach der Einschätzung von Branchenkennern kommt der Robo-Advisor-Markt in Deutschland in diesem Jahr bereits auf ein Anlagevolumen von mehr als 662 Millionen Euro. Die meisten Robo-Advisors stützen ihre Anlagestrategie auf Modelle, die die Portfoliostruktur eines Anlegers bestimmen. Es gibt dafür zwei Wege: Bei der Komplettlösung übernimmt der Robo-Advisor die Geldanlage komplett. Bei der Beratungssoftware erhält der Kunde Vorschläge, wie er sein Geld auf verschiedene Fonds verteilen kann. Die abschließende Transaktion muss er allerdings selbst tätigen.

Zahl der Reichen nimmt zu

Das Vermögen aller Millionäre der Welt hat im letzten Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen US-Dollar zugenommen. Im gleichen Zeitraum ist ihre Zahl um 4,9 Prozent auf 15,4 Millionen angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der World Wealth Report 2016 der Unternehmensberatung Capgemini. Deutschland gehört mit den USA, Japan und China zu den vier Ländern mit den meisten Millionären weltweit. Ihre Zahl ist in Deutschland auf fast 1,2 Millionen angestiegen.