Unternehmensanleihen

Nichts für Jedermann

Von Therese Buttong · 2015

Unternehmensanleihen haben in Deutschland einen schweren Stand. Unter Mittelständlern galten sie in der Finanzkrise als Kreditalternative, für Investoren boten sie Möglichkeiten für eine attraktive Rendite. Doch die Zeiten sind rauer geworden.

So leicht wie Brötchen kaufen. Es ist gerade einmal vier Jahre her, da warb eine Frankfurter Bäckerei auf der Ladentheke nicht nur für Kuchen, Feingebäck und Plätzchen, sondern auch für ein Finanzprodukt: die eigene Unternehmensanleihe. Das Unternehmen Heberer, das hinter der Wiener Feinbäckerei und der Ersten Wiener steht, sammelte so 8,5 Millionen Euro ein. Geplant waren Zwölf. Wie geschnitten Brot ging die Anleihe also nicht weg, aber immerhin eine stolze Summe mit einem Finanzprodukt, das alles andere als ein Massenprodukt ist, auch wenn die Bäckerei mit ihm um Privatkunden warb.

Ausweg aus der Kreditklemme

Unternehmensanleihen haben in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Grund dafür ist unternehmensseitig die Finanzkrise, denn als Konsequenz aus dem Crash wurden die Eigenkapitalrichtlinien für Banken verschärft und damit auch die Risiken, die sie eingehen dürfen. Das bekamen gerade kleinere Unternehmen zu spüren – sie bekamen kaum noch Kredite. Zwischenzeitlich war sogar von einer Kreditklemme die Rede. Doch die Finanzkrise hatte nicht nur Folgen für die Unternehmen. Aufgrund der darauf folgenden Niedrigzinspolitik können Anleger ihr Geld heute kaum noch gewinnbringend anlegen. Unternehmensanleihen schienen und scheinen da eine interessante Alternative. Nicht selten locken Renditen im höheren einstelligen Prozentbereich. Bei der Bäckerei waren es sieben Prozent pro Jahr.
„Spätestens seit der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 kam in vielen mittelständischen Unternehmen verstärkt die Frage auf die Tagesordnung, ob die oft überwiegend selbstfinanzierungs- und kreditzentrierten Finanzierungsstrukturen geeignet sind, auch mit größeren Schwankungen im Geschäft und verschärften Bedingungen für die Kreditvergabe umzugehen“, heißt es in einer Studie der Börse Stuttgart aus dem Jahr 2011. Die Börse Stuttgart eröffnete dazu eigens ein eigenes Segment (BondM), mit dem sie die Nachfrage der Unternehmen nach Finanzierungsmöglichkeiten und der Anleger nach Renditechancen Rechnung tragen wollte.

Ausfälle bei Mittelständlern

Mittelweile ist der Markt praktisch zum Erliegen gekommen. Einige prominente Ausfälle hatten bestätigt, was Renditen im höheren einstelligen Prozentbereich eben auch verheißen: ein höheres Risiko. Das Segment für mittelständische Unternehmensanleihen machte vor allem durch Ausfälle auf sich aufmerksam. Vor allem Mittelstandsanleihen haben in der Regel keine Bonitätsnote einer international anerkannten Ratingagentur wie Standard & Poor´s,
Moody´s oder Fitch. „Anleger von Mittelstandsanleihen könnten Orientierung durch aussagekräftige Ratings gut gebrauchen“, heißt es in einer Studie der DZ Bank aus dem vergangenen Jahr. Nach PricewaterhouseCoopers machte das Anleihevolumen in Deutschland im Jahr 2014 rund 609 Milliarden Euro aus. Mit einem Volumen von 0,8 Milliarden Euro war das Ergebnis bei Mittelstandsanleihen im Vergleich zum Vorjahresniveau (2,5 Milliarden Euro) stark rückläufig. Sämtliche Mittelstandsanleihen wurden im vergangenen Jahr an der Frankfurter Börse begeben.
Auch für Großanleger wird es demnach immer schwieriger, mit den Papieren zu handeln. Das Problem: Vor Ablauf der vertraglich vereinbarten Laufzeit der Anleihen ist es praktisch unmöglich geworden, die Papiere zu veräußern. Erste Experten sprechen bereits von einem Austrocknen des Marktes. Ein Grund ist auch hier die Regulierung. Banken sind in der Vergangenheit oft als Zwischenhändler aufgetreten. Das Risiko, Anleihen – wenn auch nur für kurze Zeit – zum Weiterhandeln in die eignen Bücher zu nehmen, können und dürfen sie oft nicht mehr eingehen.

Anleger von Mittelstandsanleihen können Orientierung durch aussagekräftige Ratings gut gebrauchen.