Aktien

Kurs nehmen auf Unternehmensgewinne

Von Karl-Heinz Möller · 2016

An der Börse werden auch 2017 Anleger nicht vorbei kommen. Sollten die Zinsen steigen, dürfte die Erhöhung nur wenige Prozentpunkte betragen. Sie hat vor allem symbolisch politische Bedeutung. Demnach dürfte ein Engagement in Aktien für die Performance unerlässlich sein.

In Zeiten von Niedrigzinsen gehören Aktien zu den Sorten im Depot, die Renditeprozente bringen. Das ist zumindest die gängige Formulierung, die in Finanzkreisen zu hören ist. Als stichhaltige Argumente werden jeweils die Phasen mit positiven Ergebnissen an der Börse angeführt. Haben beispielsweise Anleger vor drei Jahren auf den Deutschen Aktienindex DAX gesetzt, ist eine Steigerung von damals 9400 Punkten auf mehr als 10600 Punkte zu verzeichnen (Stand 5.12.2016). Mit einem Einstieg vor fünf Jahren, also Ende November 2011, ging es ganz steil nach oben. Der DAX machte einen Sprung von rund 6.000 auf etwa 10.600 Punkte.

Ohne Frage: Ein breites Aktieninvest­ment ist besonders dann von großer vermögenspolitischer Bedeutung, wenn die Zinsen um die Nullprozent-Linie schwanken. Anleger verbuchen auf diese Weise über Jahre einen Vermögenszuwachs oder eine zusätzliche Reserve für das Alter. Das ist auch Sinn der Sache. Spielt aber die Realität nicht mit, und die Kurse sinken oder es gibt sogar einen Crash, ist es vorteilhaft, nicht alles auf ein Pferd gesetzt zu haben. In diesem Spannungsfeld steht der Anleger. Es gibt keine Geldanlage ohne Risiko, und bei Aktien ist es im Vergleich zu Staatsanleihen höher. Dafür aber über einen größeren Zeithorizont als Investition erfolgreicher.

Niedrigzins fördert das Interesse der Anleger

Dass hierzulande die Aktienquote bei Anlegern unter zehn Prozent liegt, hängt mit dem für viele zu unsicheren Ertrag des Engagements zusammen. Es ist die Angst vor dem Risiko, beispielsweise in eine Baisse zu geraten. Andrerseits gelten die Bedingungen als nicht optimal, um eine Aktienkultur entstehen zu lassen. Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin des Deutschen Aktieninstituts, sagt: „Eine höhere Aktienquote in deutschen Haushalten würde die negativen Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die Vermögensbildung und Altersvorsorge der Bürger abfedern.“ Aus Sicht des Deutschen Aktieninstituts müssten deshalb aktienfreundliche Rahmenbedingungen eine Veränderung des Anlageverhaltens der Deutschen unterstützen.

Positiv zu bemerken ist, dass im Vergleich zu den Vorjahren das Interesse an Aktien insgesamt leicht gewachsen ist. Allerdings nicht bei jungen Leuten. Beratung und Aufklärung tut Not. So ist zum Beispiel die richtige Auswahl eine Herausforderung. Die Liste der Aktien von Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland ist lang. Grundsätzlich gibt es in Deutschland um die 1.000 börsennotierte Unternehmen, die über die ganze Bundesrepublik verteilt sind. Volumenmäßig von Bedeutung sind davon etwa 200 Firmen, die 30 wichtigsten sind im DAX vertreten.

Anlegen unter strategischen Aspekten

In der Regel engagieren sich Anleger nicht über den Erwerb von Einzeltiteln, sondern kaufen Aktienfonds. So gelingt es auf relativ einfache Weise auch an ausländischen Börsen zu operieren. Studien und Empfehlungen von Fachleuten wie Analysten der Banken oder neutralen Institutionen bieten in der Regel eine Orientierung. Beispielsweise vergeben Rating-Agenturen, die als neutral gelten, Auszeichnungen. So prüfte die renommierte Ratingagentur Feri aktuell 3.000 Investmentfonds. Bei deutschen Aktien siegte die DWS, Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch hatte den besten globalen Mischfonds. Und JP Morgan ist Spitze bei Europa-Aktien.

Anleger, die auf bestimmte Segmente fixiert sind und selbst aktiv kaufen und verkaufen, müssen stets am Ball bleiben. Politische Verwerfungen, aktuelle Entwicklungen aber auch langfristige Trends sind zu berücksichtigen. Es ist ratsam, zumindest eine zweite Meinung, vielleicht von der Hausbank, einzuholen. Flexibel reagieren muss der Anleger allemal, die digitalen Möglichkeiten bieten reichlich Informationen dazu an.

Anlegen kann auch als konzeptioneller und politischer Ansatz verfolgt werden. Volkswirtschaftlich sinnvoll sind Investitionen in die Zukunft des Landes oder Engagements in nachhaltige Unternehmen. Strategieberater Professor Arnold Weissman, spezialisiert auf Familienunternehmen, plädiert für das Engagement in junge aufstrebende Firmen: „Family Equity: langfristig angelegtes Kapital aus Familienvermögen, das die Entwicklung junger Unternehmen fördert. Allein oder zusammen mit Co-Investoren.“.