Zertifikate

Boni für das Körbchen

Von Thomas Bleibtreu · 2017

Nicht nur Aktien oder Immobilien sind in Zeiten magerer Zinsen eine attraktive Anlageform. Auch Zertifikate bieten für Investoren eine interessante Variante der Geldanlage.

Zertifikate gehören zur Gruppe der Derivate. Rechtlich handelt es sich dabei um eine Inhaberschuldverschreibung. Ein Derivat stellt keine direkte Investition in einen Basiswert dar. So kauft der Anleger keine Anteile beispielsweise eines Aktienfonds oder eines Rohstoffes. Vielmehr orientiert sich ein Derivat nur an einem Basiswert, wird also davon abgeleitet.

Wette auf zukünftige Entwicklung

Zertifikate sind eine Wette. Anleger können zum Beispiel darauf wetten, dass der Goldpreis weiter steigt. Geschieht das tatsächlich, bekommt der Anleger sein eingesetztes Kapital zum Ende einer bestimmten Laufzeit zurück. Zusätzlich erhält er noch einen vorher vereinbarten Prozentsatz Zinsen. Liegt er mit seiner Wette aber falsch und der Goldpreis sinkt, so bekommt er viel weniger oder keine Erträge, sondern nur das eingesetzte oder sogar nur einen Teil davon. 

Die Rahmenbedingungen der Wette sind je nach Zertifikat unterschiedlich. Bei den meisten Zertifikaten handelt es sich jedoch um Papiere, die eine festgelegte Laufzeit haben. Zum Ende der Laufzeit erhält dann der Anleger sein Kapital zurück, im besten Fall mit Zinsen.

Index als Basis

Wie bei vielen anderen Wertpapieren auch, gibt es bei Zertifikaten ganz unterschiedliche Varianten. Indexzertifikate etwa beziehen sich auf einen Index, wie zum Beispiel Rentenindizes, den deutschen Aktienindex DAX. Bei Basketzertifikaten werden einzelne Aktien oder Indizes in einem Korb zusammengefasst. Die von der Funktionsweise her einfachsten Zertifikate sind Lineare Zertifikate. Sie richten sich rein nach der Entwicklung eines Basiswertes. „Darüber hinaus sind sie nicht weiter strukturiert, manche haben sogar nicht einmal eine Laufzeitbegrenzung“, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Der Preis des Zertifikates richtet sich sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf nach der Höhe des gewählten Basiswertes. Bei Bonuszertifikaten ist eine bestimmte Laufzeit festgelegt, sowie eine bestimmte Barriere, die während der Laufzeit nicht unterschritten oder erreicht werden darf. Wird sie dennoch erreicht, so wird nur der Wert des Basiswerts zurückgezahlt. Entwickelt sich der Basiswert nach oben, so sind theoretisch hohe Bonuszahlungen zusätzlich zum Kapitaleinsatz möglich.

Zwar können Zertifikate für Anleger große Gewinnchancen bieten, entsprechend hoch sind aber auch die Risiken, das Emittentenrisiko etwa. Mit Erwerb der Zertifikate, die rechtlich betrachtet Schuldverschreibungen sind, werden Anleger zum Gläubiger und das Unternehmen zum Schuldner. Vom Grundsatz her ist es also kein Unterschied, ob man dem Emittenten der Zertifikate einen Kredit gibt, also direkt Geld leiht, oder eben die Zertifikate kauft. In beiden Fällen hat man eine Forderung gegen den Emittenten, die bei Zahlungsunfähigkeit in der Regel nicht mehr beglichen werden kann, zumal viele andere Gläubiger dann vorrangige Rechte haben und der Anleger hier fast immer an „letzter Stelle“ steht.