Leitartikel

Investieren nach Goldlöckchen-Art

Von Karl-Heinz Möller · 2017

Trüffel und Messer auf einem Schneidebrett

Auch wenn das Zinsumfeld für Geldanlagen weder Sparer noch Bankinstitute zum Jubeln verleiten, stehen die Chancen dennoch nicht schlecht, aus dem Kapital mehr zu machen. Mit cleveren Modellen, die aus diversen Angeboten die Trüffel sammeln und miteinander mischen, sind moderate bis satte Gewinne möglich.

Für die meisten Marktteilnehmer ist das Jahr 2017 besser gelaufen, als erwartet. Vor allem die Entwicklungen an den Börsen haben gezeigt, dass nach unerwarteten politischen Umwälzungen nicht das große Zittern beginnen muss. Die Rede ist von Trump-Economics oder der Wahl in Frankreich.

Viele Experten glauben 2018 an eine Fortsetzung der Kursrally. Genügend Gründe für Optimismus gebe es. Denn die bisherigen Kurssteigerungen sind nach Ansicht der Börsianer ein Ausdruck solider Ausstattung und Wachstumsstärke der führenden Unternehmen. Unterdessen bleibt der deutsche Sparer reserviert. Sein mangelnder Mut, die diversen Möglichkeiten zur Vermehrung des Ersparten zu nutzen, spiegelt wieder die an Verzicht grenzende geringe Anlagequote in das Wertpapier Aktie. Immerhin steige laut Umfragen der Anteil wieder leicht (4,4 Millionen Aktionäre) und erreicht den höchsten Stand seit zehn Jahren. Wobei viele jüngere Menschen die Aktie als sinnvolle Alternative zum Sparbuch entdeckt hätten. 

Immer noch zu wenig Börsianer

Insgesamt liegt die Zahl der Aktionäre in Deutschland immer noch deutlich unter dem Höchststand aus Zeiten des Börsenbooms um die Jahrtausendwende. Aufgrund der imposanten Kurssteigerungen werden viele sagen: „Jetzt ist es sowieso zu spät für einen Einstieg!“ Dieses Verhalten der deutschen Sparer ist nach Ansicht von Psychologen aber dennoch menschlich. Als der DAX die 8000-Punkte-Marke erreicht hatte (2013), haderten viele Sparer mit dem Kursanstieg. Doch sie waren sich sicher: Zum Einstieg ist es zu spät. Bei 9000 Punkten wiederholte sich das Spiel, bei 10.000 ebenso. Nun steht der Leitindex bei 13.000 Zählern, und die meisten Sparer können sich erst recht nicht durchringen, Spareinlagen in Wertpapiere wie Aktien umzuwandeln.

Joachim Goldberg wundert das nicht. Denn der Grund für diese Einstiegsphobie liegt für den Verhaltensökonomen in einem Impuls, den er als „Regret Aversion“ bezeichnet. Dies bedeute: Wir fürchten, eine falsche Entscheidung zu treffen und treffen lieber gar keine Entscheidung. Gleichwohl ist Sparen eine der Konstanten in der menschlichen Geschichte. Schließlich gibt es gute Gründe dafür, nicht nur für schwierige Zeiten ein finanzielles Polster zu haben. In Zeiten niedriger Zinsen verlieren viele dann das Interesse am Sparen. Sie glauben, dass es sich nicht mehr lohnt, und das mühsam Angesparte langfristig an Wert verliert.

Im Sog der guten Wetterlage für Investitionen zogen auch die Umsätze mit grünen Geldanlagen an.

Wer heute sein Geld mit den klassischen Sparformen verdoppeln möchte, braucht dafür rund 94 Jahre. Dies errechnete aktuell die Frankfurter Fondsgesellschaft Union Investment. In den 90er Jahren konnte sich das Vermögen in rund zwölf Jahren verdoppeln. Heute bräuchten Sparer für die Umsetzung des gleichen Plans knapp acht Mal so viel Zeit. Verantwortlich dafür sind die historisch niedrigen Zinsen.

Eine gute Wahl für Anleger, schneller ans Ziel zu gelangen, sind in jedem Falle Investment-Fonds. So könnte man beispielsweise in ausschüttende Dividendenfonds investieren. Allein die Unternehmen aus dem deutschen Leitindex DAX schütten mehr als 30 Milliarden Euro an die Anleger aus. Hinzu kommt, dass auch im Segment der Anleihen trotz Niedrigzinsumfeld Papiere zu finden sind, die mit mehr als 0,5 Prozent (Zehnjährige Bundesanleihe) derzeit verzinst werden.

Quelle: Bloomberg, 2017

Kombinieren in günstiger ökonomischer Lage

Wer möchte, dass sich sein gespartes Geld vermehrt, muss aktiv und informiert vorgehen. Es gilt, Alternativen zu lange bewährten Formen des Investierens zu finden. Ein Chefökonom umschrieb jüngst die mehr als günstige Situation, um erfolgreich zu sein, mit dem „Goldlöckchen Prinzip“. Im Märchen „Goldlöckchen und die drei Bären“ steht ein Mädchen vor dem Dilemma, aus drei Schalen Brei eine auszuwählen, die sowohl die richtige Temperatur als auch die richtige Menge hat.

Mit den nachlassenden politischen Risiken in Europa, sowie einem robusten Wachstum und niedriger Inflation hätten in diesem Jahr Investoren äußerst günstige Konstellationen vorgefunden. Will sagen, dass 2018 voraussichtlich wieder ein interessantes Anlageumfeld in diesem Dreiklang existiert. 

Gemessen am Zuspruch der Anleger sind Mischfonds die Gewinner der aktuellen Niedrigzinsphase und der damit verbundenen Aktienhausse. Monat für Monat fließt ihnen seit geraumer Zeit das meiste Geld aller Fondsgattungen zu. Der Ansturm auf die Produkte, die in Aktien und Anleihen gleichermaßen investieren, hat mehrere Gründe. Zum einen wählen jene Anleger diesen Weg, die die Kurssprünge der vergangenen Jahre zwar verfolgt haben, aber ein reines Aktienengagement als zu riskant erachten. Für die meisten Anleger sind sie damit eine Art Vermögensverwaltung im Kleinen.

Gemischt mit weiteren Anlageformen entstehen Multi-Asset-Konzepte. Sie spiegeln große Teile des Anlageuniversums wider. Nach dem Motto „Von allem das Beste in einen Korb“ verfahren Multi-Asset-Fonds, die so diese vielfältigen Chancen auch Privatanlegern ermöglichen. 

Balance aus Sicherheit und Rendite anpeilen

Engagements mit kontinuierlichen Auszahlungen gehören zur Gruppe der Income-Fonds. Sie bieten eine ideale Basis für die Altersvorsorge. Anleger, die via Sparplan frühzeitig über viele Jahre in den Fonds einzahlen, dürfen sich unter normalen Umständen auf eine solide Säule der Vorsorge freuen.

Unter dem Rubrum „Sicherheit“ muss das Bestreben lauten, den investierten Betrag breit zu streuen. Anleger, die eine Immobilie ihr Eigen nennen, liegen dabei im Trend. Die Preise sind rasant nach oben geschnellt und vermietete Wohnungen und Häuser rentieren sich wie lange nicht mehr. Wobei Details wie Einstiegspreis, Qualität und Lage die Rendite entscheidend beeinflussen. Diese Voraussetzung gilt im Prinzip für alle Investitionen in Sachwerte.  

Im Sog der guten Wetterlage für Investitionen zogen auch die Umsätze mit „grünen“ Geldanlagen an. Erneuerbare Energien und Klimaschutz im Fokus legen sich immer mehr Anleger Sustainability-Fonds in ihre Depots oder beteiligen sich direkt an Projekten wie Photovoltaik oder Windparks, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Investoren, die zwar klare Vorstellungen haben, aber den Job der Vermögensanlage besser an Spezialisten übergeben, bedienen sich der Vermögensverwalter und den Angeboten von Privatbanken. Die komplexe Welt der Finanzen ist ihr Metier, einschließlich der oft verwinkelten juristischen und steuerlichen Finessen. Für diese Spezies dürfte auch das ab 2018 in Kraft tretende Investmentsteuer-Gesetz kein Buch mit sieben Siegeln sein.

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