Derivate

Auf die Zukunft spekulieren

Von Thomas Bleibtreu und Katharina Lehmann · 2016

Derivate gelten als volatil und deren Wirkungsweise ist manchen rätselhaft. Aber sie übernehmen in vielen Portfolios wichtige Aufgaben. Sie unterstützen beispielsweise die Kursentwicklung, sichern Terminkontrakte und tragen zum Vermögensaufbau bei.

Chancen und Risiken heute absichern.

Die Fußball-Europameisterschaft zog gerade das Interesse der Massen auf sich. Doch nur 7,6 Prozent der Privatanleger in Deutschland können sich vorstellen, auf speziell für sportliche Großereignisse aufgelegte Finanzprodukte zu setzen. Das geht aus der Trendumfrage des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) hervor, an der 3.818 Anleger teilgenommen hatten. Konkret denkt der DDV bei solchen Finanzprodukten auch an Derivate, die auf bestimmte wirtschaftliche Entwicklungen einzelner Unternehmen oder ganzer Branchen und Volkswirtschaften aufgrund sportlicher Großereignisse wie der Fußball-EM oder den Olympischen Spielen spekulieren. „Die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen auf einzelne Branchen und Unternehmen können sich letzten Endes auch in den Kursen widerspiegeln. Daher sollten Anleger solche Angebote nicht unterschätzen, sondern genau prüfen und sich bei ihrem Berater umfassend informieren“, erklärt Lars Brandau, Geschäftsführer des DDV.

Für den Vermögensaufbau interessant

Zwar sind für das Gros der Anleger laut DDV noch immer Basisinvestments mit attraktiveren Chance-Risiko-Profilen erste Wahl. Doch biete das Universum strukturierter Wertpapiere lohnenswerte Alternativen für den Vermögensaufbau – auch, weil Anleger mit den richtigen Produkten auch von fallenden Kursen profitieren können. „So erfreuen sich die Klassiker unter den Teilschutzprodukten wie Bonus- oder Discount-Zertifikate derzeit zurecht großer Beliebtheit“, meint Lars Brandau vom DDV. Doch auch CFDs (Contracts For Difference), Futures oder Optionsscheine zählen nach wie vor zu den Klassikern des Derivatehandels.
Grundsätzlich partizipieren Derivate immer an der Kursentwicklung eines bestimmten Basiswertes. Meist sind das Aktien, Anleihen oder auch Rohstoffe und Währung. Doch auch Indizes geraten immer weiter ins Blickfeld der Anleger. Hier spielt vor allem der Home-Bias, also die Tendenz, heimische Geldanlagen zu bevorzugen, eine übergeordnete Rolle. So gaben 69 Prozent der deutschen Privatanleger im Mai gegenüber dem DDV an, bei einem Index-Investment zunächst auf den Deutschen Aktienindex, den DAX, zu setzen. Mit knapp 11,0 Prozent kommen M-Dax und der S-Dax auf den zweiten Platz. Somit bevorzugen insgesamt 80 Prozent der Befragungsteilnehmer deutsche Indizes bei ihrer Auswahl.

Hebel steigert Chancen und Risiken

Der Reiz für viele Anleger liegt aber vor allem bei den Hebelprodukten. Damit lässt sich ein Mehrfaches dessen verdienen, was bei der Direktanlage in den Basiswert möglich gewesen wäre. Dies ist auf den begrenzten Kapitaleinsatz zurückzuführen. Doch der Hebel birgt auch Risiken: Steigt der Kurs des Basiswertes, sind beim Call zum Bespiel überdurchschnittliche Gewinne möglich; fällt der Kurswert jedoch, fallen entsprechend große oder totale Verluste an. Und genau das sollten Anleger im Hinterkopf haben: Da niemand die Zukunft genau vorhersagen kann, handelt es sich bei diesen Finanzinstrumenten um sehr spekulative Anlageformen, die nicht für jeden Investor geeignet sind.