Risikomanagement

Auf den Anlagehorizont kommt es an

Von Thomas Bleibtreu · 2015

Fürs Festgeld gibt es kaum noch Zinsen, Aktien bergen Kursrisiken – mit der Niedrigzinsphase ist es nahezu unmöglich, Geld gewinnbringend und ohne Risiko anzulegen. Ein vernünftiges Risikomanagement wird deshalb immer wichtiger. Dabei zählt vor allem ein Faktor: die Zeit.

Griechenland, Portugal, Spanien, Italien – die diversen Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ein ausgeklügeltes Risikomanagement auch bei der Kapitalanlage unabdingbar ist. Fundiertes Risikomanagement findet dabei in einem systematischen Rahmen statt. Damit soll erreicht werden, dass das Vermögen gegen Verluste möglichst abgesichert ist und im besten Fall Gewinn erzielt.

Erfassen, steuern, kontrollieren

Zunächst müssen die potenziellen Risiken geortet werden, die zum Verlust des Kapitals führen könnten. Im Einzelnen geht es um die speziellen Gefahren, die in bestimmten Anlageklassen stecken. Im nächsten sind Maßnahmen auszuarbeiten, mit denen sich die vorhandenen Risiken entweder umgehen oder weitestgehend reduzieren lassen. Systematisch teilt sich Risikomanagement daher auch in die drei Schritte Erfassung, Steuerung und Kontrolle auf. Die Erfassung beinhaltet dabei vor allem die Identifikation von vorhandenen Risiken, zum Beispiel durch Analysieren der verschiedenen Produkte. Auch die Bewertung und Messung des Risikos fällt in den Bereich der Erfassung. Sind alle Risiken identifiziert und bewertet, rückt die Steuerung des Risikos in den Fokus. Dies kann durch unterschiedliche Strategien erreicht werden, etwa durch Risikovermeidung, Risikobegrenzung oder Risikoakzeptanz. Der dritte Teilbereich des Risikomanagements ist dann die Kontrolle. Im Rahmen der Kontrolle müssen die zuvor identifizierten Risiken auch in der Zukunft beobachtet und überprüft werden.

Die Zeit entscheidet

Soviel zur Theorie. Doch wie sieht es bei der praktischen Geldanlage-Entscheidung beim Anleger aus? Sind nun Aktien oder doch Staatsanleihen der Weisheit letzter Schluss? Lieber auf Währungsanlagen außerhalb des Euroraums, etwa in Dollar oder norwegischer Krone, oder doch auf den Euro setzen? Ganz wesentlich ist hier der zeitliche Anlagehorizont des Anlegers. Will zum Beispiel jemand sein Geld nur für ein Jahr anlegen, empfiehlt es sich, gar keine Risiken einzugehen. Hier eignen sich also Fest- und Tagesgeldanlagen.

Bei einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren ist die Sache schon erheblich differenzierter. In diesem Zeitraum kann es etwa bei Aktien zu starken Kursschwankungen kommen. Hier empfiehlt es sich, Stopp-Loss-Limits zu setzen. Dadurch kann das Verlustrisiko pro eingegangener Position begrenzt werden.

Für Investoren, die langfristig orientiert sind, bietet sich antizyklisches Investieren an. Dabei investiert man in mindestens zwei Anlageklassen, die möglichst gegenläufig sind, wie etwa Aktien und Staatsanleihen. Steigen die Aktienkurse, dann fordert das antizyklische Investieren, Aktien tendenziell zu verkaufen und Staatsanleihen zu kaufen. Fallen die Aktienkurse, sollten tendenziell Aktien nachgekauft und Staatsanleihen verkauft werden.